Dienstag, den 20. Juli 2010 um 11:12 Uhr

Kinderfest in NPD-Festung

Verfasst von Oliver Cruzcampo
kinderfest_npdNachdem die Stadt Anklam der NPD verbot, in der ostvorpommerschen Hansestadt ein Kinderfest durchzuführen, zogen die Neonazis am vergangenen Wochenende in das nur wenige Kilometer von Anklam entfernte Ueckermünde um. Jetzt folgt in Grevesmühlen das nächste NPD-Kinderfest. Kurioserweise scheint die rechtsextreme Partei dennoch zu versuchen, Gäste von einem Besuch abzubringen.
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Beworben werden die Kinderfeste alle mit ähnlichen Attraktionen, die kurz und knapp hintereinander aufgelistet sind. Mit dabei ist wie immer eine Hüpfburg, Bastelstraße, Kaffee und Kuchen. Stolz kündigt man an, dass natürlich „wie immer ALLES kostenlos“ sei.

Dennoch: Die Ankündigung wirkt weder überzeugend noch sehr einladend. Zudem setzt man diesmal gezielt auf Verwirrung: Stattfinden soll das Fest gleichzeitig am kommenden Sonntag und am 24. Juli, was nur schwer möglich sein wird.

Zudem will man den NPD-Nachwuchs offenbar frühzeitig an hohe Wände und Freiheitsentzug gewöhnen. Das Fest findet in der NPD-Bastion, auf dem Gelände des Thinghauses, im Grünen Weg 5a, statt. Das Grundstück gleicht einer Festung, ein meterhoher Holzzaun macht es unmöglich, es einzusehen. Befragt, ob dieser Zaun nur aus ästhetischen Gründen oder auch zum eigenen Schutz erbaut wurde, antwortet der Eigentümer Krüger: „Wir selbst finden ihn ganz gut als Sichtschutz. Ich denke, da kann sich jeder sein eigenes Bild 'zu machen.“ Zudem gibt es eine Art Aussichts- und Wachturm, von dem aus abgestellte „Wachmannschaften“ die Lage außerhalb des Geländes sondieren sollen. Ob dieser Ort ideal ist, um ein Kinderfest durchzuführen, bleibt mehr als fraglich.

Im dortigen „Thing-Haus“ eröffnete die rechtsextreme Partei Anfang April auch ein weiteres Bürgerbüro, in dem die Landtagsabgeordneten Udo Pastörs und Stefan Köster Bürgern die Möglichkeit bieten, mit „Problemen und Anregungen“ an sie heranzutreten. Auch hier scheint die Verwirrungstaktik der NPD aufzugehen. Die beiden Landtagsabgeordneten sind freitags jeweils von 14-18 Uhr in Grevesmühlen anzutreffen, gleichzeitig jedoch auch bis 15 Uhr in ihren Bürgerbüros in Lübtheen.

3 Kommentare

  • Kommentar Link ralle Sonntag, den 25. Juli 2010 um 08:30 Uhr veröffentlicht von ralle

    Macht etwas dagegen!!!
    toller Artikel, nur leider sehr viel aus den Tageszeitungen abgeschrieben. Wer sich das Thing-Haus mal angeschaut hat, dem läuft es kalt den Rücken runter. Die NPD schafft hier unter uns etwas, was bedrohlich aussieht und unter dem Namen "Abriss Krüger" sehr sehr angstverbreitend daherkommt. Fast wöchentlich passieren Anschläge auf demokratische Parteien (SPD, CDU, Die Linke, Grüne), auf Jugendzentren, auf kirchliche Einrichtungen (Friedhöfe und Pfarrhäuser) und auf autonome Zentren (wie dem Tikozigulpa Wismar). Warum wird NICHTS dagegen unternommen??????? Die SPD macht ein T-Shirt, okay.... das hätten auch alle Parteien übergreifend machen können. Und warum nicht mal auf die Straße gehen und für ein weltoffenes NWM werben?? Immerhin lebt der Kreis gerade jetzt vom Tourismus und muß sich so zeigen. Keine Toleranz und keinen fußbreit den Nazis.

    Schaut hin und meldet alles. Es kann doch nicht sein dass die alles dürfen und machen und KEINER hat etwas gesehen????? Die Polizei wartet doch nur auf Anzeigen gegen Aktivisten aus dem Thing-Haus... jede Woche steht die Tel.-Nr der örtlichen Polizei für Zeugenaussagen drin und NIE kommt etwas???? warum die Angst????

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  • Kommentar Link Björn Sonntag, den 25. Juli 2010 um 14:09 Uhr veröffentlicht von Björn

    "...jede Woche steht die Tel.-Nr der örtlichen Polizei für Zeugenaussagen drin und NIE kommt etwas????"

    Warum wohl? Weil von den Aktivisten des Thing-Hauses keine Gefahr ausgeht. Im Gegenteil. Warum müssen sie denn ihr Hab und Gut mit einem hohen Zaun schützen? Weil die lieben Alternativen, also linksextremen Gewalttäter, in den letzten Jahren viele Dutzend Brand- und Gewaltattacken auf Nationalisten und ihr Eigentum verübt haben.

    Nicht umsonst ist die NPD, laut Landesregierung, in den letzten Jahren am zweithäufigsten Opfer von Gewalt geworden. Nur die Linken haben mehr abbekommen. Allerdings haben die auch deutlich mehr Einrichtungen und somit auch deutlich mehr Angriffsziele für wütenden Bürger.

    "Die NPD schafft hier unter uns etwas, was bedrohlich aussieht..."

    Vielleicht sollten sie sich mal nicht nur mit Äußerlichkeiten befassen, sondern einfach mal mutig ins Bürgerbüro "Thing-Haus" hineingehen und mal ein klärendes Gespräch mit den Aktivisten vor Ort führen. Und natürlich wird ihnen dort nicht ein Haar gekrümmt.
    Nationalisten sind ja schließlich nicht wie Linke.

    Da fällt mir auch wieder das "Experiment" vom Fest der Völker von vor zwei Jahren ein. Oder war es das Rock für Deutschland?
    Reporter haben einen Afrikaner durch die Reihen von hunderten junger Natonalisten geschickt um dann zu filmen wie er angepöbelt wird oder vielleicht sogar verprügelt wird. Man hatte sich schon so eine schöne Story ala "Naziterroristen treten Afrikaner zusammen" zusammengebastelt. Aber Nein. Es kommt alles anders. Der Afrikaner wird natürlich nicht verprügelt. Ja noch nichtmal irgendwie angepöbelt. Nix war es mit de schönen Story.

    Dann einigten sich die Nationalisten mit den Presseleuten zu einem zweiten Experiment. Ein junger Nationalist wurde dann durch die Reihen der Linken geschickt. Dieses Experiment mußte allerdings abgebrochen werden. Weil die Linken trotz Anwesenheit von Polizei und Kameras sich vermummten und den Nationaliaten anzugreifen versuchten.

    Sie sehen also. Vorurteile stimmen nicht immer. Vielleicht schaffen sie es ja auch mal über ihren Schatten zu springen und ihre Vorurteile abzulegen.

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  • Kommentar Link Roichi Dienstag, den 27. Juli 2010 um 11:20 Uhr veröffentlicht von Roichi

    "Warum wohl? Weil von den Aktivisten des Thing-Hauses keine Gefahr ausgeht. Im Gegenteil."

    Wie man sehr deutlich an Petereit, Köster und co. sieht.
    Die Eisenstange, Baseballschläger, Fußtritte, alles keine Gefahr.
    Auch Aufrufe zum Mord in Lichtenhagen sind natürlich nicht gefährlich.

    Wieso sollte ein halbwegs intelligenter Mensch dort reingehen? Um eine fruchtlose Diskussion mit allerlei kruden Ansichten gewürzt mit nationalsozialistischer Propaganda zu erleben. Dafür ist mir meine Zeit dann doch zu schade.

    "Nationalisten sind ja schließlich nicht wie Linke."
    Na das ist doch mal eine Erkenntnis.

    @ ralle

    Warum niemand dort anruft ist doch klar.
    Einschüchterung. Die Funktioniert eben auch über Symbole wie dieses Thing-Haus. Genauso wie über das Auftreten der Beteiligten.
    Und jeder weiß doch, dass die Nazis die Adressen der Anzeigenden rausbekommen, immerhin haben ihre Anwälte Akteneinsicht.
    Dann bekommt man eben auch mal Besuch von einigen stämmig gebauten Herren.

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