Realsatire: NPD-Vize bewirbt sich als „Koordinator gegen Rechtsextremismus“
Verfasst von Robert Scholz-
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Sein Bewerbungsschreiben hat Richter in der März-Ausgabe der NPD-Parteizeitung „Deutsche Stimme“ öffentlich gemacht. Dass es die „Fachstelle gegen Rechtsextremismus“ überhaupt gibt, ist nicht zuletzt auch dem NPD-Vize zu verdanken. Nach seiner Verurteilung wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen kündigten SPD und Grüne an, sich für eine solche „Fachstelle“ einsetzen zu wollen. Richter wurde im August 2008 verurteilt, da er nach Auffassung des Gerichts bei seiner Vereidigung zum Münchner Stadtrat seinen Arm zum Hitlergruß ausgestreckt haben soll, vier Monate später war die Einrichtung der Stelle beschlossen – mit einer Gegenstimme.
Ganz ernst kann Richter seine Bewerbung allerdings nicht nehmen. In der „Deutschen Stimme“ ist der Beitrag daher auch untertitelt mit „Realsatire in München“. Mit einem „überdurchschnittlichen Einfühlungsvermögen in die Verhaltensweisen von ,Rechtsextremisten‘“ und seinen „besonderen Stärken Weltoffenheit und Toleranz“ will der stellvertretende NPD-Vorsitzende die Personalabteilung trotzdem überzeugen.
Seinen Elan, Dinge verändern zu wollen, stellt Richter in fünf Punkten vor. So will er
1. „frühkindliche und pränatale Aufklärung rechtsextremistische Einstellungsmuster“ intensivieren („Krabbeln gegen Rechts“)
2. die „Bekämpfung rechtsextremistischer Verhaltens- und Einstellungsmuster nicht länger hinter der Position germanozentrischer Sprachdominanz verstecken“ und „Aufklärungsmaterial“ in „Urdu, Hindi und Paschtu“ anbieten
3. die „Gesinnungsprävention“ „vor der Vermittlung zivilgesellschaftlich irrelevanter Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen“ realisieren
4. eine „zentrale Archivstelle für demokratiefeindliche, extremistische und populistische Politikmuster (D.E.P.P.) im Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters“ einrichten
5. eine „Initiative ,München: Stadt der Stolperstein – Hinfallen gegen Nazis e.V.‘“ realisieren. „Stolpern gegen Rechts“, so Richter, könnte „eine zutiefst problematische, in ihrem Kern diskriminatorische und menschenverachtende Schlußstrichmentalität wirksam hinterfragen helfen“
Als Referenzen führt der BIA-Stadtrat unter anderem seine Komparsenrolle in dem Kinofilm „Der Untergang“, die er als „breitenorientierte Aufklärungsarbeit über die Folgen nationalistischen und antisemitischen Gedankengutes“ deutet, und seine Referententätigkeit im Rahmen der politischen Bildungsarbeit der Bundeswehr zum Thema „Rechtsextremismus“ an.
Die Ausschreibung ging bis Ende Januar, ob Richter zum Vorstellungsgespräch geladen wurde, ist uns nicht bekannt.
6 Kommentare
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Freitag, den 12. März 2010 um 11:00 Uhr
veröffentlicht von Alexander
Köstlich, der Mann - nicht so verbohrt und sauertöpfisch wie die Gutmenschenclique.
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Freitag, den 12. März 2010 um 13:37 Uhr
veröffentlicht von Falke27
Großartig:-). Insbesondere Stolpern gegen REchts ist geil. Wobei in der BRD es sowas mit Sicherheit bereits in realiter gibt. Schmeiß mich weg
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Freitag, den 12. März 2010 um 13:49 Uhr
veröffentlicht von Tramfan
Das wäre doch was für "Extra3". Der "Führer" wäre begeistert.
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Freitag, den 12. März 2010 um 14:18 Uhr
veröffentlicht von Theodor Adorno
Eigentlich würde nichts dagegen sprechen, daß Richter die Stelle erhält. Schließlich gehört er einer legalen, demokratischen Partei an.
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Ansonsten kann ich den Vorrednern nur zustimmen - Immerhin hat der Mann seinen Humor nicht verloren, was sicherlich nicht leicht ist, wenn man von allen Seiten her als "Unperson" abgestempelt wird.
Gruß aus Frankfurt!
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Freitag, den 12. März 2010 um 14:38 Uhr
veröffentlicht von Frank
Pöse Nazis mit Humor, jetzt bricht mein Weltbild völlig zusammen.
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Samstag, den 13. März 2010 um 00:27 Uhr
veröffentlicht von Birgit Kramp
Wenn das die einzige Art ist, mit der ein NPD Mitglied einmal seine Tatkraft unter Beweis stellt, das ist das allerdings wirklich zum Lachen.
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Aber viel mehr als Herabwürdigungen und Diskriminierungen habe ich von der NPD auch nicht erwartet. Andernfalls müssten die Mitglieder nämlich ein wenig mehr Selbstvertrauen entwickeln, aber sie fühlen sich offenbar derart wohl in ihrem selbst gewählten Käfig, dass mehr Selbstleitung aus meiner Sicht vorerst ausgeschlossen scheint. Dann erst würde sich wirklich etwas verändern.
Deshalb hier ein kleiner Tipp in Richtung NPD und aller "freien Kräfte", die ihren Käfig auch zukünftig bewohnen möchten: Nur nicht zu sehr mit dem Gegner auseinandersetzen, sonst könnte das ungewollt nämlich doch zur eigenen Veränderung führen. Sagt schon Heitmeyer: Lernende Systeme… ;-)
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