Mittwoch, den 10. März 2010 um 21:03 Uhr

Hannover: Kameradschaft verteilt Schülerzeitung

Verfasst von Oliver Cruzcampo
bockDie „Freien Kräfte Hannover“ wollen in den nächsten Tagen ihre rechte Schülerzeitung in hoher Auflage in der niedersächsischen Landeshauptstadt und der Region verteilen. Das Blatt enthält vor allem antidemokratische, rassistische und antiamerikanische Hetze. Ein Jugendpresse-Verband ruft dazu auf, sich den Neonazis beim Verteilen in den Weg zu stellen.
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Das Motto der Jugendzeitung „Bock“ lautet „Das was fällt, das muss man stoßen!“ Was fallen soll, scheint klar: das „System“. Zum „ganzen System“ merken die selbsternannten Redakteure an: „Wir hassen es nicht – wir verachten es!“ Wie „indi-rex“ berichtet, sollen von der Jugendzeitung nach eigenen Angaben der „Freien Kräfte Hannover“ 20.000 Exemplare verteilt werden.

Die „Junge Presse Niedersachsen“ berichtet, dass bereits an mindestens einer Schule das ausländerfeindliche Pamphlet verteilt worden ist. Der Jugendpresse-Verband findet es „unerträglich“, dass ein solches Blatt an Schulen verbreitet wird. „Der Bock verherrlicht die NS-Ideologie und denunziert unsere Mitbürger ausländischer Herkunft. Dies können und werden wir nicht tolerieren!“ Der Verband will Anzeige erstatten und versuchen, die Verbreitung durch eine einstweilige Verfügung zu stoppen. Außerdem animiert er Schüler von betroffenen Schulen, über das Problem aufzuklären und das Verteilen auf dem Schulgelände zu verhindern.

Im Vorwort stellen die Neonazis fest, dass ihre Zeitung eine „Werkstatt für Widerstand und Rebellion“ sei. Sie wollen „Aufruhr in die Köpfe tragen“. Ziel sei es, die „Legitimation dieses korrupten liberalen Staates zu unterminieren“ und „seine Helfershelfer zu demaskieren“. Deutlich werden die Zeitungs-Schreiber, wenn sie feststellen: „Die sogenannten westlichen Werte gehen uns am Arsch vorbei.“

Die Zeitung soll junge und „junggebliebene“ Menschen ansprechen, heißt es in der Mitteilung der Neonazi-Truppe, die enge Kontakte zur NPD in Hannover aufweist. Scheinbar harmlose Polemik, hinter der sich blanker Rassismus verbirgt, soll als Türöffner dienen: „Ausländerintegration heißt bei uns Rückführung und ein mit Schoko überzogenes Schaumgebäck bleibt ein ‚Negerkuss’.“

In der Vergangenheit hat es bereits mehrfach Versuche – wenn auch oft mit mäßigem Erfolg – gegeben, als Schülerzeitung getarnte rechtsextreme Ideologie Jugendlichen näher zu bringen. Die sächsische Landtags-Fraktion der NPD hat kürzlich in einem Brief alle Schulen angeschrieben und mit einer Schülerzeitung für sich geworben.

1 Kommentar

  • Kommentar Link Bad Nenndorf ist bunt - bk Donnerstag, den 11. März 2010 um 18:23 Uhr veröffentlicht von Bad Nenndorf ist bunt - bk

    Vielen Dank für den Artikel.

    Kleiner Hinweis für alle die aus Niedersachsen mitlesen: Am 15. März ist in Niedersachsen an den Schulen ein Landesweiter Projekttag für Zivilcourage, vielleicht könnten betroffene Schulen das Thema an diesem Tag auch mit aufgreifen.

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