Erfahrungsgemäß werden sich die endgültigen Zahlen für 2009 durch Nachmeldungen noch erhöhen. Der Rückgang rechtsextremer Gewalttaten sei erfreulich, biete aber keinen Anlass zur Entwarnung. Schon mehrfach habe es in den zurückliegenden Jahren kurzfristige Rückgänge gegeben, nach denen die Anzahl rechtsextremer Gewaltdelikte wieder stieg, berichtet die „Opferperspektive“.
Wie in den Vorjahren ereigneten sich im Jahr 2009 die meisten Angriffe in Sachsen (263). Es folgen Sachsen-Anhalt (111), Berlin (102), Brandenburg (101) sowie Thüringen (83) und Mecklenburg-Vorpommern (79). Insgesamt sei bei rechtsextremer Gewalt von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, die nicht zuletzt dadurch bedingt sei, dass solche Gewalttaten den Betroffenen oftmals normal erscheinen und sie teilweise keine Anzeige stellen. Zudem seien in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern die dort tätigen Beratungsstellen personell besonders schlecht ausgestattet – somit sei dort von einer nochmals höheren Dunkelziffer auszugehen.
In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle handelt es sich – wie in den Jahren zuvor – um Körperverletzungen, die sich meist spontan im öffentlichen Raum ereigneten. Mindestens vier Menschen wurden in den Jahren 2009 und 2008 von Neonazis oder ihnen nahe stehenden Tätergruppen getötet.
2009 war in 222 Fällen Rassismus das hauptsächliche Tatmotiv der AngreiferInnen. In 150 Fällen richtete sich die Gewalt gegen politische GegnerInnen und in 286 Fällen gegen meist junge Menschen aus alternativen Milieus.
| Land | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 |
| Berlin | 73 | 73 | 115 | 176 | 138 | 164 | 202 |
| Brandenburg | 116 | 136 | 140 | 140 | 159 | 110 | 101 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 64 | 58 | 62 | 103 | 78 | 103 | 79 |
| Sachsen | 141 | 146 | 168 | 248 | 342 | 354 | 263 |
| Sachsen-Anhalt | 78 | 109 | 171 | 202 | 184 | 180 | 111 |
| Thüringen | 91 | 48 | 38 | 48 | 67 | 86 | 83 |
| Gesamt | 563 | 570 | 694 | 917 | 968 | 997 | 739 |
Ende Januar veröffentlichte auch der Opferfonds „Cura“ der Berliner Amadeu Antonio Stiftung eine beklemmende Statistik: Seit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten seien 149 Menschen aus rassistischen beziehungsweise rechtsextremen Gründen umgebracht worden. Dabei sind im Verhältnis zur Bevölkerungszahl deutlich mehr Menschen in Ostdeutschland (67), als in Westdeutschland (81) umgebracht worden.





