Dienstag, den 09. März 2010 um 13:38 Uhr

Leichter Rückgang rechtsextremer Gewalt in ostdeutschen Bundesländern

Verfasst von Oliver Cruzcampo
Die Beratungsstellen für Opfer rechter Gewalt in den ostdeutschen Bundesländern haben ihre Jahresstatistik 2009 veröffentlicht. Die insgesamt sieben Beratungsstellen registrierten insgesamt 739 rechtsextrem motivierte Gewaltdelikte mit 1.669 Betroffenen. Das sind weniger als in den drei vorangegangenen Jahren, liegt aber deutlich über den Werten für die Jahre 2003 bis 2005. 
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Erfahrungsgemäß werden sich die endgültigen Zahlen für 2009 durch Nachmeldungen noch erhöhen. Der Rückgang rechtsextremer Gewalttaten sei erfreulich, biete aber keinen Anlass zur Entwarnung. Schon mehrfach habe es in den zurückliegenden Jahren kurzfristige Rückgänge gegeben, nach denen die Anzahl rechtsextremer Gewaltdelikte wieder stieg, berichtet die „Opferperspektive“.

Wie in den Vorjahren ereigneten sich im Jahr 2009 die meisten Angriffe in Sachsen (263). Es folgen Sachsen-Anhalt (111), Berlin (102), Brandenburg (101) sowie Thüringen (83) und Mecklenburg-Vorpommern (79). Insgesamt sei bei rechtsextremer Gewalt von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, die nicht zuletzt dadurch bedingt sei, dass solche Gewalttaten den Betroffenen oftmals normal erscheinen und sie teilweise keine Anzeige stellen. Zudem seien in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern die dort tätigen Beratungsstellen personell besonders schlecht ausgestattet – somit sei dort von einer nochmals höheren Dunkelziffer auszugehen.

In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle handelt es sich – wie in den Jahren zuvor – um Körperverletzungen, die sich meist spontan im öffentlichen Raum ereigneten. Mindestens vier Menschen wurden in den Jahren 2009 und 2008 von Neonazis oder ihnen nahe stehenden Tätergruppen getötet.

2009 war in 222 Fällen Rassismus das hauptsächliche Tatmotiv der AngreiferInnen. In 150 Fällen richtete sich die Gewalt gegen politische GegnerInnen und in 286 Fällen gegen meist junge Menschen aus alternativen Milieus.

Land 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009
Berlin 73 73 115 176 138 164 202
Brandenburg 116 136 140 140 159 110 101
Mecklenburg-Vorpommern 64 58 62 103 78 103 79
Sachsen 141 146 168 248 342 354 263
Sachsen-Anhalt 78 109 171 202 184 180 111
Thüringen 91 48 38 48 67 86 83
Gesamt 563 570 694 917 968 997 739
Recherchierte rechtsextreme Angriffe in den östlichen Bundesländern und Berlin in den Jahren Jahren 2003-2009


Ende Januar veröffentlichte auch der Opferfonds „Cura“ der Berliner Amadeu Antonio Stiftung eine beklemmende Statistik: Seit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten seien 149 Menschen aus rassistischen beziehungsweise rechtsextremen Gründen umgebracht worden. Dabei sind im Verhältnis zur Bevölkerungszahl deutlich mehr Menschen in Ostdeutschland (67), als in Westdeutschland (81) umgebracht worden.

1 Kommentar

  • Kommentar Link dorr Olli Donnerstag, den 11. März 2010 um 15:29 Uhr veröffentlicht von dorr Olli

    Abgesehen davon, daß Statistiken in DIESEM Spektrum durchaus als hinterfragungswürdig sind.. wäre es wahnsinnig interessant zu recherchieren wie es sich bei der Wahl der Überschrift verhalten hätte.. wären statt ca 250 weniger Delikten noch einmal 250 draufgeschummelt worden.

    Eine Verminderung um also ca 25 % ist ein leichter Rückgang?
    Wie sähe es bei einer Steigerung von ganzen 25 % aus?
    Also ich könnte mir da etwas zusammenfantasieren.. ;)

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