Dienstag, den 09. März 2010 um 13:50 Uhr

Kabelbrand im Hauptverteiler: Integrationsminister Laschet (CDU) verlangt von Einwanderern Bekenntnis zum "Tätervolk"

Verfasst von Mathias Brodkorb
armin-laschetMan muss sich schon etwas anstrengen, um sich überhaupt noch daran erinnern zu können: Vor gut 10 Jahren trat Friedrich Merz (CDU) eine Debatte über eine angebliche "deutsche Leitkultur" los. Der Integrationsminister von NRW, Armin Laschet (CDU), nimmt diesen Faden nun in einem Interview mit der "Jüdischen Zeitung" wieder auf und fordert selbst von Einwanderern ein Bekenntnis - ja, wozu eigentlich, zum Holocaust?
reloaded

Merz' Leitkultur-Debatte ging seinerzeit schwer nach hinten los. Gedacht als Anforderung an Einwanderer, sich stärker mit ihrer neuen Heimat und ihren Werten zu identifizieren, kassierte der christdemokratische Selbstdenker schnell den Vorwurf des Rassismus. Hiervon aufgeschreckt einigte man sich in der CDU schließlich salomonisch auf die Forderung nach einer "Leitkultur in Deutschland" - ein taktisches Manöver, das schon seinerzeit der heutigen Kanzlerin Angela Merkel zugerechnet wurde.

Merkel wolle den Begriff "Leitkultur" "auf jeden Fall weiter verwenden", stellte sie damals gegenüber dem "Focus" klar. Ohne ein Verständnis von Vaterland und Nation sei Einwanderung mit ihr nämlich nicht zu machen, so die große Dame der Union: „Das ist der Kern dieser wichtigen Debatte. Wir sind geprägt durch die Wertegemeinschaft des christlich-jüdischen Abendlandes.“ Und diese müsse in Deutschland als "Leitkultur" auch offensiv vertreten werden.

Armin Laschet, CDU-Integrationsminister von NRW, scheint diese Formulierung nun auf eine Weise ernst und wörtlich zu nehmen, wie dies seinerzeit wohl selbst Merkel nicht geahnt haben dürfte. Während sie ursprünglich auf das christliche Wertefundament und somit wohl auch auf die Menschenwürde und die daraus abgeleiteten Grundrechte verwies, geht Laschet in einem Interview mit der "Jüdischen Zeitung" unter der Überschrift "Der Holocaust ist unsere gemeinsame Leitkultur" noch einen Schritt weiter. Demnach soll wohl zentraler Bezugspunkt "deutscher Identität" nicht mehr das christliche Abendland mit seinen Werten, sondern die Shoah sein.

Und - so muss man wohl mutmaßen - zu dieser müssten sich auch die Einwanderer bekennen. Laschet wörtlich: "Man muss bei jeder Generation das Bewusstsein für den Holocaust vermitteln. Die Kinder sind qua Geburt deutsche Staatsbürger und man muss ihnen klar machen: Das ist was anderes, als wenn du Franzose oder Brite bist. (...) Das ist natürlich einem Kind, dessen Eltern sagen, 'Was haben wir damit zu tun? Wir sind 1961 eingewandert!', schwerer zu vermitteln. Ich verlange es ihnen trotzdem ab." Denn wenn sie "Deutsche" sein wollen, gehöre dies nun einmal zur "gemeinsamen Leitkultur".

Damit treibt die Kollektivschuldthese, die sich selbst in quasi-biologistische Begründungsmuster verstrickt und ihren eigentlichen Gegner so auf bizarre und zugleich ungewollte Weise kopiert, in der Union absurde Blüten geradezu imperialistischen Ausmaßes: Nunmehr sollen nicht mehr nur alle "Deutschen" zum "Tätervolk" gehören, sondern auch noch alle Einwanderer in Deutschland - auch dann, wenn ihre Eltern z.B. im Jahre 1961 aus der Türkei nach Deutschland gekommen sind. "Richtige" Integration wird in Deutschland also konsequent, rigoros und pflichtbesessen durchgezogen - ohne wenn und aber. Eben "typisch deutsch"!
Mathias Brodkorb

Mathias Brodkorb

Mitglied des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern für die SPD, Gräzist und Philosoph, Mitbegründer von www.endstation-rechts.de

Website: www.endstation-rechts.de

23 Kommentare

  • Kommentar Link Daniel Leon Schikora Dienstag, den 09. März 2010 um 14:45 Uhr veröffentlicht von Daniel Leon Schikora

    "Damit treibt die Kollektivschuldthese, die sich selbst in quasi-biologistische Begründungsmuster verstrickt und ihren eigentlichen Gegner so auf bizarre und zugleich ungewollte Weise kopiert, in der Union nunmehr absurde Blüten geradezu imperialistischen Ausmaßes: Nunmehr sollen nicht mehr nur alle "Deutschen" zum "Tätervolk" gehören, sondern auch noch alle Einwanderer - auch dann, wenn ihre Eltern 1961 aus der Türkei nach Deutschland gekommen sind."

    Das Bestreben, eine "Leitkultur" im Sinne einer politischen Kultur, die zwangsläufig 'geschichtspolitische' Momente aufweist, vermittelst der Institutionen, die in Frankreich "republikanische" genannt werden, ALLGEMEIN, mithin auch "allochthonen" Staatsbürgern, zu vermitteln, kann nur "imperialistisch" genannt werden in der Logik eines Multikulturalismus resp. Ethnopluralismus, der die Einheit der republikanischen Staatsbürgernation substantiell zur Disposition stellt. Nicht Laschets Argumentation, sondern deren Qualifizierung als "imperialistisch" muß als Ausdruck einer "quasi-biologischen" Verortung von historischer Verantwortung betrachtet werden: Nicht die Verantwortung Deutschlands als eines Nationalstaates und somit als eines Völkerrechtssubjekts wird postuliert, sondern Deutschland wird gleichsam als ein Patchwork unterschiedlicher Ethnien begriffen, von denen allenfalls den "Autochthonen" zugemutet werden könne, historische Verantwortung zu übernehmen.

    In der Perspektive eines menschenrechtlichen Universalismus wäre es im übrigen statthaft, in Europa ein öffentliches Gedenken auch der Opfer des jungtürkischen Völkermordes an den Armeniern zu institutionalisieren und gesetzliche Regelungen im Interesse der Möglichkeit einer strafrechtlichen Verfolgung von Verleumdern der armenischen Opfer herbeizuführen. Auch in diesem Falle muß gelten: Allen Europäern, nicht nur den "quasi-biologisch" Betroffenen, kann und muß wenigstens ein Verzicht auf die aktive Behinderung der öffentlichen Erinnerung an Genozid-Opfer abverlangt werden.

    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
  • Kommentar Link Mathias Brodkorb Dienstag, den 09. März 2010 um 15:20 Uhr veröffentlicht von Mathias Brodkorb

    Sehen Sie - aber das wissen Sie ja eigentlich auch längst - meine Identität als Linker und Anhänger einer universalistischen Position wird substanziell bestimmt durch die Menschenrechte - und dasselbe gilt für das Grundgesetz. Die Identität eines Christen sollte eigentlich in Gott wurzeln und in der durch ihn jedem Einzelnen verliehenen Menschenwürde. Hier findet sich zwischen Beiden auch ein Punkt der Übereinstimmung. Wenn Herr Laschet nun meint, an die Stelle von Menschenrechten/-würde bzw. Gott die "Shoah" setzen zu müssen und Sie ihm darin folgen wollen, so mögen Sie das tun. Allerdings reicht es, wenn sich alle anderen (auch die Einwanderer) einfach weiterhin auf das Grundgesetz und die Erklärung der Menschenrechte berufen. Schimon Peres hat zu der Angelegenheit jüngst eigentlich alles Nötige gesagt: http://endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=4365

    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
  • Kommentar Link Quarktasche Dienstag, den 09. März 2010 um 16:19 Uhr veröffentlicht von Quarktasche

    ...Sie sagen Sie wären links Herr Brodkorb, folgt man Wikipedia, sind Sie rechts einzuordnen:

    "Im politischen Sprachgebrauch der deutschen Rechten sind die Begriffe Kollektivschuld und Kollektivschuldthese politische Schlagwörter geworden. Sie beziehen sich als Fremdbezeichnung auf die (tatsächliche oder angebliche) Behauptung einer Kollektivschuld aller Deutschen an den Verbrechen des Nationalsozialismus."
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kollektivschuld

    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
  • Kommentar Link Scrutograph Dienstag, den 09. März 2010 um 16:21 Uhr veröffentlicht von Scrutograph

    Wird in der linksliberalen ZEIT allerdings auch schon diskutiert, das mit dem Bekenntnis zum Holocaust für Einwanderer.

    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
  • Kommentar Link Xberg Dienstag, den 09. März 2010 um 16:43 Uhr veröffentlicht von Xberg

    Leider wird das mit den Menschrechten (allein) ebensowenig funktionieren wie mit der Shoah. Eigentlich funktioniert die integrative Wirkung sogar besser mit der Shoah, zumindest was Deutsche und Juden (vor allem in Israel) betrifft.

    Aus dem einfachen Grund, den in Deutschland nicht einmal "Integrationsminister" begreifen: daß die Abstammung und die geschichtliche Herkunft nun einmal eine unausrottbare emotionale Bedeutung für die Menschen haben. Auch ist der Gott des Christentums etwas fundamental anderes als "die Menschrechte". Der Abstand ist mindestens so groß, wenn nicht noch größer als zur Shoah.

    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
  • Kommentar Link Mathias Brodkorb Dienstag, den 09. März 2010 um 17:17 Uhr veröffentlicht von Mathias Brodkorb

    @ Quarktasche: Kann es sein, dass Sie einem simplen Logikfehler unterliegen? Wenn alle A B sind, müssen nicht alle B auch A sein, nämlich dann, wenn A eine Teilmenge von B ist. Kann man bei Wikipedia nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Fehlschluss

    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
  • Kommentar Link Scrutograph Dienstag, den 09. März 2010 um 17:26 Uhr veröffentlicht von Scrutograph

    Wäre interessant zu wissen, was Laschet genau gesagt hat. Verlangt er ein Bekenntnis zum historischen Fakt oder ein Schuldbekenntnis von Unbeteiligten?

    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
  • Kommentar Link Quarktasche Dienstag, den 09. März 2010 um 17:57 Uhr veröffentlicht von Quarktasche

    @Brodkorb

    Nicht alles was einen Dachschaden hat ist automatisch ein Haus, das verstehe ich. Deshalb ist man ja auch nicht automatisch links, weil man ein Portal gegen Rechtsextremismus betreibt.

    Sie benutzen rechtes Vokabular und Sie reden rechten zum Munde.

    Sie wären nicht der erste Rechte der behauptet er wäre "ja eigentlich" links und man müsste den Linken nur das richtige Denken beibringen.(siehe Selbstdarstellung ER) Das nennt man dann Querfrontbestrebungen.

    Es ist mir durchaus bewusst das ich polemisch argumentiere. Das tun Sie aber auch.

    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
  • Kommentar Link Mathias Brodkorb Dienstag, den 09. März 2010 um 19:57 Uhr veröffentlicht von Mathias Brodkorb

    @ Quarktasche: Ach, ist sie nicht putzig und schön, unsere lustige Erde? Ich bin "rechts", weil ich nicht spreche und denke wie Sie? Na, wenn Sie damit meinen, dass ich nicht dasselbe sage, was viele andere sagen, dann haben Sie recht. Warum sollte ich das auch? Das tun ja schon genug andere. Dass Ihr "Argument" Polemik ist, geben Sie ja selber zu. Sehen Sie, die Sache ist doch so. Wenn ich Ihnen antwortete, wie Sie mir begegnen, müsste ich Sie fragen: "Wer sagt mir denn, dass Sie nicht in Wahrheit ein Rechter sind, der sich pestet, dass wir mit unserem Projekt eine ordentliche Reichweite haben und der jetzt deshalb versucht, mir irgendwelchen Quark ans Bein zu binden, um mich zu diskreditieren, damit wir unsere Reichweite verlieren? Na, wer beweist mir das, dass Sie in Wahrheit nicht nur so tun, als seien sie links?" Aber wie gesagt: Solchen Quark frage ich erst gar nicht.

    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
  • Kommentar Link Xberg Dienstag, den 09. März 2010 um 20:33 Uhr veröffentlicht von Xberg

    Wer konsequent "links" denkt, kann die explizite oder implizite Unterstellung einer "Kollektivschuld", geschweige denn einer vererblichen, nicht akzeptieren.

    Wenn man Kindern sagt, sie seien "qua Geburt deutsche Staatsbürger und man muss ihnen klar machen: Das ist was anderes, als wenn du Franzose oder Brite bist", dann impliziert das eine quasi-biologische "Erbsünde" (auch wenn Laschet von "Staatsbürgern" und nicht allein von Biodeutschen spricht), und das ist alles andere als "links".

    Manche schlagwortaffinen Quarktaschen haben offenbar noch nicht den geringsten Gedanken darauf verschwendet, was "rechts" und "links" eigentlich bedeutet...

    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
  • Kommentar Link Quarktasche Dienstag, den 09. März 2010 um 20:55 Uhr veröffentlicht von Quarktasche

    Wer vertritt denn die "Kollektivschuldthese, die sich selbst in quasi-biologistische Begründungsmuster verstrickt", Herr Brodkorb? Sie sprechen davon an prominenter Stelle in Ihrem Artikel...

    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
  • Kommentar Link Mathias Brodkorb Dienstag, den 09. März 2010 um 22:19 Uhr veröffentlicht von Mathias Brodkorb

    Na, dann lesen Sie das alles am besten nochmal und dann den Kommentar von Kreuzberg. - Wobei ich mir den Hinweis nicht verkneifen kann, dass der Xberg ganz recht hat: Als Rechter müsste man eigentlich Anhänger der Kollektivschuldthese sein, als Linker nicht. Paradox, gell?

    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
  • Kommentar Link Quarktasche Dienstag, den 09. März 2010 um 22:45 Uhr veröffentlicht von Quarktasche

    "Wenn man Kindern sagt, sie seien "qua Geburt deutsche Staatsbürger und man muss ihnen klar machen: Das ist was anderes, als wenn du Franzose..."

    Ich habe mich mit Kindern noch nicht über das Thema unterhalten. Wir können das dann auch lassen.

    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
  • Kommentar Link Xberg Dienstag, den 09. März 2010 um 23:26 Uhr veröffentlicht von Xberg

    Es gibt keinen zwingenden "rechten" Grund, die "Schuld" als erblich oder anders als individuell aufzufassen.

    Aber selbstverständlich postuliert man als Rechter, daß das Individuum "qua Geburt" in einen größeren historischen und kollektiven Zusammenhang gestellt ist, den es sich nicht ausgesucht hat, und der über Sprache, Religion, Kultur, Geographie und Familiengeschichte vermittelt wird. (Eine Auffassung, der die Menschheit seit Jahrtausenden anhängt, und die auch heute noch überall auf der Welt selbstverständliche Gültigkeit hat, mit Ausnahme von westlichen, meistens deutschen Intellektuellen).

    Daß es also sehr wohl ein Abstammungskollektiv mit Besonderheiten gibt, die es von anderen unterscheiden (aka "Volk"),und ihm von mir aus auch eine historische "Verantwortung" auferlegen, davon geht Laschet aus, und eben auch der Rechte.

    Letzterer sieht aber vor allem einen fatalen Fehler darin, diese auf einen einzigen, noch dazu negativen Moment zu verengen, denn damit wird die Identität (="Leitkultur") in den Orkus des "schwarzen Lochs", wie Peres das treffend genannt hat, geworfen und kann sich nur destruktiv auswirken.

    Damit hat aus rechter Sicht Laschet das Prinzip der "Abstammungsgemeinschaft", nicht geleugnet oder abgeschafft, sondern lediglich pervertiert und verengt.

    Schließlich: ein Linker muß zwar die Vorstellung einer "Kollektivschuld" als Mystifikation zurückweisen, aber nicht zwangsläufig die reale Existenz, den Wert sogar die Notwendigkeit von "Abstammungsgemeinschaften".

    Vor allem wäre zu klären, ob die "universalistische Position der Menschenrechte" im dialektischen oder antithetischen Verhältnis zu der Existenz von Völkern steht.

    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
  • Kommentar Link Hamburger Studi Mittwoch, den 10. März 2010 um 01:54 Uhr veröffentlicht von Hamburger Studi

    In der Tat recht eigenartige Äußerungen Laschets, allerdings kann ich den obigen Zitaten nicht entnehmen, dass er sich für die Kollektivschuld-These stark macht. Von "Schuld" spricht er ja auch gar nicht, sondern von "Bewusstsein für den Holocaust". Man kann Laschet auch so interpretieren, dass er das "Deutschsein" verknüpft sieht mit moralischen Verpflichtungen, die sich aus dem Holocaust ergeben, sich aber nicht auf eine "Erbschuld" gründen.

    Ob diese "Verpflichtungs-These" wahr ist, sei dahingestellt, aber sie hat jedenfalls nichts mit der esoterischen Kollektivschuld-These zu tun. Offen bleibt allerdings auch unter dieser Laschet-Interpretation, warum solchen Verpflichtungen eine so zentrale kulturelle Rolle eingeräumt werden sollte.

    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
  • Kommentar Link Mathias Brodkorb Mittwoch, den 10. März 2010 um 09:12 Uhr veröffentlicht von Mathias Brodkorb

    @ Studi: Von "Kollektivschuld" spricht Laschet nicht wörtlich, das stimmt. Aber er scheint mir eben in der Sache genau davon auszugehen. Sie wundern sich ja selbst, warum "solchen Verpflichtungen eine so zentrale kulturelle Rolle eingeräumt werden sollte". Und das geht eben logisch, scheint mir, nur dann auf, wenn mann ein irgendwie vorhandenes Substrat "Deutsches Volk" konstruiert, das zudem "Tätervolk" ist, und in das die Einwanderer nun "integriert" werden sollen. Wenn Sie das tun, kaufen sie sich eben auch den Täterstatus ein - das müsse man ihnen abverlangen. Und das scheint doch so etwas zu sein wie "Kollektivschuld". Sie würden ja wahrscheinlich auch nicht einem harten Rassisten, der um jeden Preis das Wort "Rasse" vermeidet, abnehmen, er sei kein Rassist - oder?

    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
  • Kommentar Link Xberg Mittwoch, den 10. März 2010 um 11:35 Uhr veröffentlicht von Xberg

    @ Brodkorb:

    Also ein "deutsches Volk" gibt es Ihrer Meinung nach nicht?

    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
  • Kommentar Link Birgit Kramp Mittwoch, den 10. März 2010 um 12:27 Uhr veröffentlicht von Birgit Kramp

    "Man muss bei jeder Generation das Bewusstsein für den Holocaust vermitteln."

    Dagegen gibt es vom Grundsatz her aus meiner Sicht nichts einzuwenden.

    "Die Kinder sind qua Geburt deutsche Staatsbürger und man muss ihnen klar machen: Das ist was anderes, als wenn du Franzose oder Brite bist."

    Kinder sind überall auf der Welt 'qua Geburt' erst einmal Menschen egal ob nun in Frankreich, Großbritannien oder Deutschland. Wozu bei Kindern dieser Versuch des "Einteilens"? Das kann man Kindern in der Tat nicht unbedingt vermitteln, denn bis zu einem gewissen Alter ist ihre Entwicklung noch gar nicht so weit eine solche Differenzierung wirklich vornehmen zu können. Dieser Umstand ist aber unabhängig von der jeweiligen Nationalität.

    An dieser Stelle würde ich mir eine ernstzunehmender Auseinandersetzung einiger CDU Mitglieder mit der Geschichte des dritten Reiches wünschen. Es kommt mir schon seit geraumer Zeit so vor, als versuchten verschiedene CDU Mitglieder eine für sie möglicherweise eingetretene Krise (Auslöser könnten die guten Wahlergebnisse der Partei Die Linke sein) durch gezieltes Abfragen der Gesellschaft (es werden solche Äußerungen zur Diskussion gestellt) wieder zu überwinden. Sollte es sich dabei eher um eine persönliche Krise handeln, trägt dieser Weg allein aus meiner Sicht nicht zum gewünschten Erfolg bei. Sollte es sich aber um eine allgemeine Unsicherheit innerhalb der CDU handeln, dann wäre dagegen im Grunde nichts einzuwenden. Sollte dieser Vorstoß ein (unbewusster) Versuch sein dabei auch die Meinung von Kindern mit einzubeziehen, würde ich mir aber eine andere Art der Umsetzung wünschen. Eine Einladung in den Landtag verbunden mit einer kurzen Redezeit am Pult im Plenarsaal wäre doch ein sehr viel netteres Angebot. Dann aber bitte auch ernsthaft Zuhören was diese Kinder zu sagen haben - besonders in Bezug auf den Holocaust - denn ich bin mit fast sicher, dass die Gedanken der Kinder zu diesem Thema so manchen gestanden Berufspolitiker überraschen dürfte.

    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
  • Kommentar Link Angenervt von so viel Dummmheit! Mittwoch, den 10. März 2010 um 23:03 Uhr veröffentlicht von Angenervt von so viel Dummmheit!

    Na klasse, das ist wieder Realsatire pur... *ggg*

    "Unsere" pro-stalinistischen, antideutschen Extremisten machen auf Nationalokkultismus wie Heinrich Himmler persönlich - nur eben andersherum.

    Kein Wunder, sie sind völkische Nationalisten und Rassisten, ihr völkisches Kollektiv ist großslawisch...

    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
  • Kommentar Link Verstrickt und Zugenäht Donnerstag, den 11. März 2010 um 00:59 Uhr veröffentlicht von Verstrickt und Zugenäht

    Da die biologische Herkunft nach antirassistischer Lesart irrelevant ist, kann es kein besonderes Verhältnis deutschstämmiger Menschen zur Shoa geben. – Allenfalls kann die BRD als Nachfolgestaat ein besonderes Verhältnis dazu haben und dieses über seine Bevölkerung ausüben.

    Das bedeutet in der Tat, daß die staatsrechtliche BRD-Bevölkerung und nicht etwa ein biologisches deutsches Volk Verantwortung zu tragen hat. – Diese erhält man mit dem Personalausweis und kann sich ihrer mit der Ausbürgerung entledigen. – Alles andere wäre rassistisch.

    Und jetzt seid ihr dran :-)

    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Kommentar hinzufügen


Nachrichten

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5

Nach Bundesländern

Thueringen Schleswig-Holstein Sachsen-Anhalt Sachsen Saarland Rheinland-Pfalz Nordrhein-Westfalen Mecklenburg-Vorpommern Hessen Hamburg Bremen Berlin Bayern Baden-Wuertemberg Niedersachsen Brandenburg
buy cheap software