Samstag, den 06. März 2010 um 11:39 Uhr

Offenes Geheimnis? – Bayerischer NPD-Vize ist Mitglied der Bandidos

Verfasst von Robert Scholz
rossmuellerSascha Roßmüller gilt in Parteikreisen als begeisterter Biker, dass er auch Mitglied des Motorradclubs „Bandidos“ ist, sei in der bayerischen NPD „kein Geheimnis“, heißt es dort. Die Reaktionen in der rechtsextremen Szene nach der Veröffentlichung entsprechender Fotos sprechen eine andere Sprache. Das Problem ist dabei weniger die der Gruppe nachgesagte Verwicklung in die organisierte Kriminalität als denn die Aufnahmepraxis: Bei den Bandidos dürfen auch Ausländer Mitglied werden.
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Auf drei Fotos ist das ehemalige NPD-Vorstandsmitglied Sascha Roßmüller im Kreis der Bandidos zu sehen. Er trinkt mit ihnen Weizenbier, formt die Hände zu einer stilisierten Pistole, dem Bikergruß der Bandidos, und trägt auch ihre schwarze Weste mit dem Aufdruck (patch). Seit kurzem ist die Regensburger Filiale (Chapter) der Bandidos Vollmitglied und kann nun den so genannten full patch tragen. Wie es heißt, hat sich Roßmüller seit einem Jahr beim Aufbau des Regensburger Chapters beteiligt. Im Gästebuch des Clubs findet man daher viele Gratulationen zum neuen Status, eine Reaktion auf die „Enthüllung“ des bayerischen Rundfunks, der die Mitgliedschaft Roßmüllers öffentlich machte, sucht man hingegen vergebens. 

Die Fotos sind zwar eindeutig, sie sind aber auch schon alt. Aus dem Sommer 2009 dürften sie stammen und so verwundert es auch nicht, dass die bayerische NPD-Zentrale gelassen auf die Nachricht reagiert. „In der Bayerischen NPD weiß das jeder“, erklärte etwa Landesgeschäftsführer Axel Michaelis gegenüber der Süddeutschen Zeitung (SZ).

Die eigentliche Überraschung dürfte so eher die Reaktion des bayerischen Verfassungsschutzes sein. Hier habe die Nachricht angeblich Verwunderung ausgelöst. Sowohl Bandidos als auch die NPD werden in Bayern beobachtet, auf die frei im Internet zugänglichen Fotos ist man dabei aber offenbar noch nicht gestoßen. Zudem wundere man sich, dass mit Roßmüller ein NPD-Funktionär der ersten Stunde, der mit einem hohen Posten in Bayern ausgestattet sei, bei einem Motorradclub mitmische, zu dessen Einnahmequellen unter anderem Drogenhandel, Schutzgelderpressung und Prostitution zählen soll. Es sei daher unverständlich, zitiert die SZ einen Sprecher des Verfassungsschutzes, weil die Motorradgruppen negativ belegt seien.

Für den bayerischen Landesgeschäftsführer kein Grund zur Sorge: „Solange sich jemand nicht persönlich kriminell benimmt, habe ich kein Problem damit“, eine Einstellung, die er mit vielen Kommentatoren in den einschlägigen Internetforen teilt. Problematischer wird hier die Aufnahmepraxis der Bandidos beurteilt. Denn im Unterschied zu den Hells Angels, die grundsätzlich keine Ausländer aufnehmen, ist die Aufnahmepraxis der Bandidos „großzügiger“ und auch schneller – was letztlich als das Geheimnis ihres schnellen Mitgliederwachstums ausgemacht wird. In den Internetforen beschimpft man die Bandidos daher gerne auch als die „Multikultis“ unter den Rockern.

Unter dem Pseudonym „Friese Hamburg“, hinter dem sich zuweilen auch der Hamburger Neonazi Thorsten de Vries verbirgt, erklärt zu den Bandidos: „Es geht hier auch überhaupt nicht um MC`s , sondern darum das die Bandidos zu einem grossen Teil aus kriminellen Türken und Arabern bestehen.“ „Dirk“ stellt sogar die Sinnfrage: „Wir kämpfen für den Erhalt unseres Volkes. Fordern eine Rückführung aber so etwas wo bewußt ist, dass die Bandidos genügend Ausländer in ihren Reihen haben wird akzeptiert? Wo ist da der Sinn?“

Roßmüller, der bei der sächsischen NPD-Fraktion angestellt ist, hat sich persönlich noch nicht zu seiner Mitgliedschaft geäußert und auch eine Stellungnahme der NPD steht noch aus.

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