Donnerstag, den 04. März 2010 um 13:15 Uhr

Sassnitz wehrt sich gegen NPD-„Trauermarsch“ am 6. März

Verfasst von Oliver Cruzcampo
fackelmarschAm kommenden Samstag will die rechtsextreme NPD durch Sassnitz marschieren. Anlass ist - wie so oft in den letzten Wochen – der „alliierte Bombenterror“. Kirche, Bürger und Parteien stellen sich ihr jetzt in den Weg — und verurteilen die braune Hetze.
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Am 6. März 1945 ließen alliierte Flugzeuge ihre Bomben auf Sassnitz fallen. Hunderte kamen dabei ums Leben. Am Sonnabend jährt sich das Ereignis zum 65. Mal — und das will ausgerechnet die rechtsextreme NPD für ihre Propaganda missbrauchen. Doch den Neonazis stellt sich ein breites demokratisches Bündnis in den Weg. Einem Bericht der „Ostsee-Zeitung“(OZ) zufolge wollen sich die Fraktionen der Sassnitzer Stadtvertretung, Vereine, die Kirchen und Vertreter der Wirtschaft auf zur Friedensandacht treffen — und damit zeigen, dass auf Rügen kein Platz für menschenverachtende Intoleranz ist.

Was das Thema Neonazis angeht, war es laut „OZ“ auf der Insel bisher vergleichsweise ruhig. Während in den Nachbarkreisen und -städten etwa die NPD in den Kommunalparlamenten vertreten ist, traten die Rechtsextremisten auf Rügen nicht einmal zu den Wahlen an.

Nach Angaben der Polizei in Bergen hat die NPD eine Kundgebung mit 150 Menschen angemeldet. Rechtsextreme aus dem gesamten Norden werden zu dem fragwürdigen Marsch am frühen Abend durch Sassnitz erwartet. Aufgrund der Versammlungsfreiheit könne man den Aufmarsch nicht verbieten, „nur“ Auflagen erteilen. Wie die aussehen werden, sei aber noch unklar. 

Die Polizei bereitet sich auf einen unruhigen Abend in Sassnitz vor. Eine Gegenkundgebung ist zwar nicht angemeldet. „Aber wir gehen davon aus, dass linke Demonstranten versuchen werden, die NPD aufzuhalten“, so Rügens Polizei-Chef Gustav Lüth. „Wir stellen uns auf Störungen ein.“ Die Polizei sei darauf aber vorbereitet: „Gegenüber strafbaren Handlungen wird es keine Toleranz geben — egal, von welcher Seite sie begangen werden“, kündigt der Einsatzleiter ein hartes Vorgehen gegen gewaltbereite Demonstranten an.

Das demokratische Bündnis in Sassnitz ruft schon jetzt zum gewaltfreien Protest gegen Rechts auf: „Unser Sassnitz ist eine weltoffene Stadt. Verständigung, Mitmenschlichkeit und Toleranz sind die festen Säulen unseres Zusammenlebens. Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Gewalt haben hier keinen Platz“, heißt es in der „Sassnitzer Erklärung“, die Stadtvertretervorsteher Norbert Thomas, Bürgermeister Dieter Holtz sowie die Fraktionschefs CDU, SPD, FDP, Die Linke und die „Alternative Freie Wählergemeinschaft“ unterschrieben haben.

Auch die Partei-Jugendorganisationen Junge Union, Jusos und Julis — verurteilen gemeinsam den Aufmarsch. „Unter dem Vorwand eines Trauerzuges versucht die NPD ihre völkerverhetzende, fremdenfeindliche, diktatorische und undemokratische Ideologie zu propagieren“, schreibt Sebastian Koth, Kreisvorsitzender der Julis. Im Gedenken an die Opfer von Krieg und Nazi-Tyrannei wollen die Vertreter der Stadt um 9 Uhr auf den Friedhöfen der Toten gedenken. Ab 10.30 Uhr ist eine Gedenkstunde und eine Gesprächsrunde im Rathaus geplant. Am Abend dann sind alle Sassnitzer aufgerufen, ein Zeichen gegen die Rechten zu setzen: Bürgermeister Holtz fordert die Bürger auf, zwischen 18 und 20 Uhr eine Kerze in jedes Fenster zu stellen. Zeitgleich beginnt auf dem Rügenplatz die große Friedensandacht.

Der Zug der Neonazis, dessen Motto „Die Freiheit zertrümmert – Kein Vergeben – Kein Vergessen“ ist, soll am Bahnhof starten und durch die Stadt zum Hafen führen. Dabei soll jeder „volkstreue Deutsche“ eine Fackel mitbringen. Vermutlich wird der „Trauermarsch“ wohl ähnlich wie der Demminer Fackelmarsch im vergangenen Jahr ablaufen: Er wurde kaum wahrgenommen und hauptsächlich durch kleine Nebengassen geleitet.

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