"Lieber falsche Freunde als gar keine" - Broder und das Lob der NPD
Verfasst von Hanka Kliese-
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Nachdem Broder bereits im Vorjahr anläßlich der Tage der jüdischen Kultur in Chemnitz zu einer Lesung erscheinen sollte, dann aber kurzfristig absagen musste, war die Neugier auf den Tabubrecher vom Dienst recht groß - immerhin 200 Leute waren bei der Veranstaltung zugegen. Er las aus seiner "Kritik der reinen Toleranz", wobei er die Toleranz als "Anleitung zum Selbstmord" bezeichnete und laut Berichterstattung der "Freien Presse" dem Auditorium mit auf den Weg gab: "Intoleranz ist eine Tugend, die vertreten werden muss." Zudem bezeichnete der den Klimawandel als "Bluff und Betrug"; die Klima-Debatte sei eine Ersatz-Religion. Kritik hagelte es auch an jenen, die sich für die Integration von Zuwanderern einsetzen.
Derlei Ausführungen blieben nicht frei vom Applaus der Rechtsextremen; so bedankte sich ein ehemaliger Stadtratskandidat der NPD bei Broder laut "Freie Presse" abschließend für dessen "klare Worte". Auch die NPD-Kommunalpolitikerin Katrin Köhler zeigt sich in einer Meldung auf ihrer Website angetan von der "erfrischenden Überfremdungskritik" (www.katrin-im-rathaus.de) des Publizisten. Wie Broder selbst zu solchen Sympathiebekundungen steht, beantwortete er laut "Freie Presse" so: "Manchmal sind mir die falschen Freunde lieber als gar keine."
Hanka Kliese
Hanka Kliese (SPD), geb. 1980, ist Politikwissenschaftlerin und Abgeordnete des Landtages von Sachsen. Sie promoviert bei Prof. Jesse an der TU Chemnitz über den jüdischen Schriftsteller Erich Mühsam.
Website: www.hanka-kliese.de15 Kommentare
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Mittwoch, den 03. März 2010 um 18:35 Uhr
veröffentlicht von Ludwig
Ob Broder in der Sache recht hat, kann man diskutieren.
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Aber im Stil - da ist er ungeschlagen. Er hat schlicht Humor. Humor ist etwas, was ich auf Seiten von E-R trotz eifrigen Lesens noch nie gesehen habe; noch nicht einmal andeutungsweise.
Und hier kann man miterleben, dass Humor noch nicht einmal verstanden wird, wenn er schon nicht praktiziert wird.
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Mittwoch, den 03. März 2010 um 19:09 Uhr
veröffentlicht von Robert
Jetzt scheinen Sie mir aber etwas verbissen zu sein...
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Mittwoch, den 03. März 2010 um 19:24 Uhr
veröffentlicht von Ludwig
Gut gekontert. Ein Lichtblick!
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Mittwoch, den 03. März 2010 um 19:27 Uhr
veröffentlicht von Xberg
"Wen will das noch überraschen", ach, wie praktisch, daß es die NPD gibt...
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Mittwoch, den 03. März 2010 um 20:25 Uhr
veröffentlicht von Ludwig
Jenseits von beabsichtigtem Humor und unfreiwilligen Komischsein, habe ich immer noch nicht verstanden: Was macht die Meldung, "NPD-Politiker stimmen Broder zu", jetzt relevant? Und für wen?
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"Broder stimmt NPD-Politiker" zu. Darauf warten wir doch alle ...
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Mittwoch, den 03. März 2010 um 20:42 Uhr
veröffentlicht von
Daniel Leon Schikora
"Auch die NPD-Kommunalpolitikerin Katrin Köhler zeigt sich in einer Meldung auf ihrer Website angetan von der "erfrischenden Überfremdungskritik" (www.katrin-im-rathaus.de) des Publizisten."
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Wie Kai Sokolowsky, Arne Hoffmann und andere wackere Kämpfer gegen die "Islamophobie" sich bisher vergeblich darum bemüht haben, Henryk M. Broder des Rassismus zu überführen, so wird es auch der NPD-Kommunalpolitikerin nicht gelingen, in Broders Texten eine "Überfremdungskritik" zu finden. Broder greift die Propagandisten des integristischen Islam nicht als 'Fremdvölkische' an, sondern als Verächter von Menschen- und Bürgerrechten, deren universaler Geltungsanspruch auch seitens der Neofaschisten in Abrede gestellt wird. Die "Kultur", wie sie die Völkischen von NPD oder Pro Köln vertreten, ist einem Verteidiger des Westens wie Broder (oder Wilders) ebenso "fremd" resp. unerwünscht wie die seitens der radikalen Multikulturalisten so vehement verteidigte "Kultur" der Inferiorisierung der Frau durch das islamische Kopftuch.
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Mittwoch, den 03. März 2010 um 20:50 Uhr
veröffentlicht von
normaler_bürger
"was ich auf Seiten von E-R trotz eifrigen Lesens noch nie gesehen habe;"
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Das kann ich gar nicht glauben, denn diesen Satz z.B. fand ich ausgesprochen gelungen und konnte mir beim Lesen ein breites Grinsen nicht verkneifen:
"Nun, das ist zumindest putzig, weil man sich kaum vorstellen kann, dass - im Fall der Fälle - "Idiot" im Sprachschatz Broders überhaupt als Beleidigung gilt,[...]"
Gibt noch mehr so schönes, also einfach mal auf die Suche gehen... ;-)
Zum Artikel:
"die Klima-Debatte sei eine Ersatz-Religion"
Na das sollte Herr Broder doch mal den Amerikanern erklären, die aufgrund der Erderwärmung unzählige umgefallenen und eingeknickten Strommasten (die Oberfläche der Erde verändert sich, da der Permafrost taut und die Steine, die von ihm zusammengehalten wurden nun nach unten sacken) dokumentiert haben, oder den Menschen, denen die Straßen und Häuser weggebrochen sind. Die werden sich über diese Erkenntnisse sicher freuen. Nicht zu vergessen die ganzen Klimaforscher, die werden sich sicher auch freuen zu hören, dass sie lediglich einer Ersatz-Religion " aufgesessen" sind.
Schmilzt der Permafrost, rutscht der Fels ins Tal
Forscher überwachen den Dauerfrostboden
"Permafrost wird sehr wichtig sein, weil er zu Felsstürzen aus Felspartien führen kann, die Jahrtausende gefroren waren", sagt der Zürcher Geograph Stephan Gruber. Die Wärme greift in den Fels über.
http://www.3sat.de/dynamic/sitegen/bin/sitegen.php?tab=2&source=/nano/cstuecke/14709/index.html
Rückschau: Zeitbombe Permafrost
Der Klimawandel hinterlässt auch in der Arktis seine Spuren. Forscher befürchten sogar: Die steigende Temperatur in der Nordpolarregion wird den Permafrost in den oberen Schichten stark auftauen lassen. Experten des Alfred-Wegener-Instituts in Potsdam haben nun entdeckt, dass Mikroorganismen im dauergefrorenen Boden bereits bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt vermehrt Methan produzieren, ein Gas das dreiundzwanzig Mal klimaschädlicher ist als Kohlendioxid.
http://www.daserste.de/wwiewissen/beitrag_dyn~uid,2uwzrb5gqbgs9g5s~cm.asp
Also unter Humor verstehe ich definitiv etwas anderes.
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Mittwoch, den 03. März 2010 um 22:12 Uhr
veröffentlicht von L.B.
Broder bezeichnet Antisemiten und Rassisten als Freunde, wenn auch falsche. Wie putzig. An Broder kann man schön beobachten, wozu triste Nachmittage und Abende mit Boulevardmagazinen aus dem Flimmerkasten führen. Kein Wunder, dass Broder im zweiten Satzteil zugibt, keine Freunde zu haben. ---
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Liebes ER-Team, in Zukunft vielleicht keine Nachrichten über Broder. Ist nur reine Verschwendung von Weltnetzkapazitäten, auch wenn es zum Brüllen komisch ist.
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Mittwoch, den 03. März 2010 um 22:27 Uhr
veröffentlicht von Ludwig
Was die ARD da verlautbart, behaupten selbst die eingefleischtesten "Klimafachleute" nicht: Nach dem IPCC gibt es seit 15 Jahren keine Klimaerwärmung, sondern eine leichte Abkühlung; völlig unabhängig von der Behauptung, diese sei menschengemacht, also die Erwärmung natürlich. - Ich finde das sehr lustig, zumal ich eine tatsächliche Klimarwärmung, am besten eine menschengemachte, sehr begrüßen würde.
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Ich hoffe immer noch, dass CO2 ein "Klimagas" sein könnte. Davon kann mich selbst ein Broder nicht ganz abbringen. Schließlich: Seitdem man das immer wieder behauptet, jogge ich täglich noch zwei Kilometer extra! - Alles umsonst? - Nein! Wenn es schon nichts direkt bringt, weil CO2 vielleicht doch nicht so wirkt, wie von der Atomlobby und mir gewünscht, esse ich wenigstens mehr, um meinen gesteigerten Energiebedarf zu decken: Natürlich überwiegend Rindfleisch. Die Viecher produzieren wenigstens anständiges Methan. Da kann man sich ob der Wirkung schon sicherer sein.
Also an mir liegt die Abkühlung heute bestimmt nicht. Aber vielleicht hat man sich beim IPCC nur wieder sehr vermessen vermessen: Vielleicht wird es ja doch wieder wärmer und heute morgen war es nur ein kleiner Negativ-Pik, den die Klima-Scientologen etwas überinterpretiert haben.
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Donnerstag, den 04. März 2010 um 11:52 Uhr
veröffentlicht von Xberg
Daß Broder keine "Überfremdungskritik" betreibt, macht ihn ja so inkonsequent. Es ist sonnenklar, daß es nämlich kein Problem mit dem Islam intra muros gäbe ohne die "Fremdvölkischen", die ihn tragen und hereintragen.
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Außerdem verteidigt Broder nur ein sehr dünnes Substrat von "Kultur". Wenn sich die Definition des "Westens" nur mehr in abstrakten Begriffen wie "Menschen"- und "Bürgerrechten" (Leerformeln, die an sich keine konkrete Füllung besitzen) erschöpft, dann liegt die Überlegenheit der islamischen Kultur klar auf der Hand. In der Tat haben sich die "Menschenrechte" als genau das Hintertürchen erwiesen, durch das sich der Islam überhaupt in Europa einnisten und ausbreiten konnte.
Indessen, wie können "Bürgerrechte" einen "universellen Geltungsanspruch" haben? Das ist ein Oxymoron.
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Donnerstag, den 04. März 2010 um 12:39 Uhr
veröffentlicht von
robert
ich war bei besagter broder lesung dabei und musste echt mir mir ringen, nicht eher zu gehen, weil man teilweise das gefühl hatte, auch einer npd-stammtischveranstaltung zu sein.
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Donnerstag, den 04. März 2010 um 16:46 Uhr
veröffentlicht von Ludwig
@ Xberg
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Alle drei Kernaussagen der jeweiligen Absätze Ihres Kommentares sind völlig zutreffend: Weil die inherente Logik zwingend ist und Sie die tatsächlichen Voraussetzungen zutreffend beschreiben.
So einfach ist das.
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Freitag, den 05. März 2010 um 17:11 Uhr
veröffentlicht von Schyrik
"Hanka Kliese... ist Politikwissenschaftlerin und Abgeordnete... Sie promoviert ... über den jüdischen Schriftsteller Erich Mühsam."
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Erich Kurt Mühsam war ein deutscher politischer Aktivist, Anarchist, Publizist und Schriftsteller. Jüde.
Liebe Frau Kliese, sind Sie Nazi?
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Freitag, den 05. März 2010 um 22:08 Uhr
veröffentlicht von
Hanka Kliese
@Schyrik: Nö. Sie etwa?
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Dienstag, den 22. Juni 2010 um 20:26 Uhr
veröffentlicht von Tobias
Wens interessiert: er hat den Vorgang auch selbst noch mal im gewohnten Duktus kommentiert: http://henryk-broder.com/hmb.php/blog/article/939/
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