Mittwoch, den 03. März 2010 um 03:30 Uhr
Arne Schimmer: NPD kann in „Lücke stoßen, die der Abgang Lafontaines hinterlassen hat“
Verfasst von Robert Scholz-
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In der März-Ausgabe der NPD-Parteizeitung Deutsche Stimme (DS) interviewt der sächsische NPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Gansel den sächsischen NPD-Landtagsabgeordneten Arne Schimmer. Letzterer sieht im Rückzug des ehemaligen Linksparteivorsitzenden Oskar Lafontaine aus der Bundespolitik „ganz erhebliche Chancen“ für die NPD. Kritik übt Schimmer an der „Debattenkultur“ in den eigenen Reihen. Abhilfe soll hier das Theorieorgan „hier & jetzt“ leisten, für das er als Chefredakteur verantwortlich ist.
„Wenn die NPD sich weiter konsequent als soziale Heimatpartei positioniert“, so Schimmer, „dann kann sie in die Lücke hineinstoßen, die der Abgang Lafontaines hinterlassen hat.“ Die Hoffnung Schimmers wird auch dadurch genährt, dass ein anderer, der das „Zeug gehabt [hätte], nationale Wähler an die Linke zu binden“, aus der Linkspartei „herausgemobbt“ worden sei: Jürgen Elsässer. Dessen ökonomische und geostrategische Analysen seien „brillant“, „leider“ würde er die NPD aber nicht mögen, bedauert Schimmer. Verblieben sei nun allein Gregor Gysi, „der es vielleicht sogar noch schaffen wird, seine Partei auf Kriegskurs gegen den Iran zu bringen.“ Gelinge ihm dies, könne sich die NPD „auch noch als nationale Friedenspartei profilieren“.
Als Schülerpartei scheint sich die NPD unterdessen in Sachsen profilieren zu wollen. Nachdem die Fraktion in einem Brief der Fraktion alle Schulen angeschrieben und mit einer Schülerzeitung für sich geworben hatte, berichtet Schimmer im Interview nun von Schulklassen, die bei Landtagsbesuchen häufig die NPD für Schülergespräche anfragen würden. In diesen Gesprächen, an denen drei Vertreter der Landtagsfraktionen teilnehmen, seien ihm „teilweise Löcher in den Bauch“ gefragt worden. Ob seine Feststellung, dass „Jugendliche und junge Leute“ häufig „gar nicht verstehen [können], wieso ausgerechnet das historische, kulturelle und nationale Erbe ihres Landes so besonders schuldbehaftet sein soll“, eine Kritik am Schulunterricht ist oder eher darauf abzielt, dass die NPD hier ein künftiges Wählerpotential ausmacht, wird nicht ganz deutlich.
Mit der ehemals vom sächsischen Jugendverband der NPD, den „Jungen Nationaldemokraten“, getragenen Theoriezeitschrift „hier & jetzt“ kennt Schimmer sich in der Jugendarbeit ja bereits bestens aus. Die vor Jahren veröffentlichte „Grundlagenerklärung“ des Theorieorgans gelte auch unter ihm als Chefredakteur, erklärt er in dem DS-Interview. So verstehe man sich nach wie vor als „eine Ideenwerkstatt des Nationalismus, die ohne konservative Selbstzensur Fragestellungen zuspitzt und Diskussionen auslöst“. Dass diese Diskussionen nicht abebben werden, ist dabei programmiert. Künftig will Schimmer nämlich das „gesamte ideengeschichtliche Spektrum des Nationalismus abdecken und einerseits Radikalkonservativen, Neuen Rechten und illusionslosen Realpolitikern wie andererseits auch nationalen Sozialisten, Völkischen und Nationalrevolutionären einen publizistischen Raum eröffnen“. Der neue Chefredakteur der „hier & jetzt“ hält dies aufgrund der eigenen „Debattenkultur“ für geboten, die unter anderem darin bestehe, dass viele „Nationale ihre Meinungsverschiedenheiten in irgendwelchen Netzforen“ „haßerfüllt“ austragen.
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