Gegen 10 Uhr begannen die ersten Kundgebungen, die sich auf die gesamte Stadt verteilen und von unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Akteuren angemeldet waren, darunter auch viele Landtags- und Bundestagsabgeordnete. Bereits vor 10 Uhr begannen sich die Neonazis sowie die Gegendemonstranten zu sammeln.
Auf der Internetseite de.altermedia.info rufen die Veranstalter, die Junge Landsmannschaft Ostdeutschland, für 13 Uhr auf, zum Bahnhof Dresden Neustadt zu kommen. Gegen 10 Uhr waren dort bereits ca. 200 Neonazis versammelt. Auf den Zufahrtsstraßen und -wegen zum Bahnhof Neustadt (u.a. Hansastraße, Albertplatz) waren gegen halb 11 bereits 2.000 Gegendemonstranten, melden verschiedene Online-Medien. Angeblich kontrolliert die Polizei bereits die Autobahnzufahrten Wilder Mann und Hellerau. coloRadio meldet, dass die Polizei mit Pfefferspray gegen die Demonstranten am Hansaplatz vorgeht. Dennoch: die Lage sähe derzeit so aus, dass die Nazis nicht demonstrieren können. Über den Ticker läuft genau um 10:42 Uhr die Nachricht: „Wir haben alle wichtigen Punkte blockiert! Bleibt dort und wer noch nicht auf einer Blockade ist, soll zu einer gehen.“
Ein Demonstrant, der derzeit an der Hansastraße steht, berichtet, dass es im Moment ruhig ist. Die Meldungen, dass die Polizei mit Pfefferspray gegen die Demonstranten vorgeht, kann er nicht bestätigen. Vielmehr sei im Moment alles ruhig. Die Polizei steht in den Seitenstraßen und filmt die Situation. Gefragt nach den geschätzten Gegendemonstranten vor Ort, wird die Zahl 1.000 bis 1.500 in der Hansastraße genannt.
coloRadio meldet, dass die Wege über die zentralen Brücken durch die Polizei gesperrt sind. Auch Abgeordnete würden nicht von der Altstadt in die Neustadt zu den Blockaden und Gegendemonstrationen kommen. Ein Hörer empfiehlt, Umwege in Kauf zu nehmen und es über die weniger zentralen Brücken zu versuchen.
Auf dem Albertplatz hat eine Gruppe von Abgeordneten von der LINKEN, SPD und Grünen sowie Gewerkschaftsvertretern entschieden, eine spontane Kundgebung zum erst kürzlich geänderten Demonstrations- und Versammlungsverbot abzuhalten. Die Polizei hat diese Kundgebung auch anerkannt. DerTeilnehmer und Landtagsabgeordnete Henning Homann (SPD) meldet, dass seit 10:00 Uhr der Albertplatz mit schätzungsweise 2.500 Menschen blockiert ist. "Hier ist auf absehbare Zeit kein Durchkommen", so Homann.
Zugleich meldet "Dresden nazifrei", dass "alles nach Plan" läuft. Die Sitzblockaden verlaufen alle friedlich.
Die aktuellen Tickermeldungen berichten, dass die Blockaden an der Hansastraße, Albertplatz und Leipziger Straße stehen, während die Rechtsextremen noch anreisen.
Stand 11:00 Uhr: dresden-nazifrei-com meldet den Teilnehmerstand der Demonstrationen und Blockaden:
2.000 Menschen am Albertplatz in der Dresdner Neustadt. Weiterhin starker Zulauf von Dresdner Bürgerinnen und Bürgern
2.000 Menschen auf der Sitzblockade Hansastraße / Großenhainer Straße. Auf diese Weise kann der Marsch der Nazis in Richtung Dresden Pieschen verhindert werden.
Jeweils 500 Menschen sind in der Unterführung Eisenbahn- / Hansastraße sowie Leipziger / Antonstraße.
200 Menschen besetzen die Gleise im Bahnhof Mitte.
Weitere Busse werden in Dresden noch erwartet.
11:45 Uhr Hansastraße: erste Unruhe - ein Demonstrationsteilnehmer meldet, die Polizei versucht "zu kesseln". Was das Ziel der Polizeiaktion ist, ob beispielsweise die Sitzblockade geräumt wird, ist derzeit noch unklar.
11:50 Uhr Bahnhof Dresden-Neustadt: Die taz meldet, dass sich derzeit mehrere Nazis weigern, aus dem Zug auszusteigen, offenbar weil sie direkt in einen Kessel mit "Hamburger Gittern" geleitet werden.
12:00 Uhr Hansastraße / Fritz-Hoffmann-Straße: Die Situation scheint sich zu verschärfen. Sowohl taz als auch coloRadio berichten, dass die Polizei gegen Demonstranten vorgeht. Zuvor ist dort ein Auto umgekippt worden, das, so die Meldungen, einem Neonazi gehört.
12:05 Uhr Bahnhof Dresden-Neustadt: Aktuelle Tickermeldungen berichten: Derzeit ca. 300 Nazis am Bahnhof angekommen. Ca. 500 kommen von Wilder Mann aus zu Fuß. Viele sitzen aber in den Bussen fest und kommen nicht zu ihren verabredeten Treffpunkten durch. Überall hört und liest man die Aufrufe und Aufforderungen an die Gegendemonstranten, die Blockaden weiterhin friedlich durchzuführen.
12:15 Uhr Blockade Bischofsweg: Mehrere Medien melden, dass die Rechtsextremen am Bischofsweg durchgeleitet werden sollen. Laut coloRadio soll es bereits zu Übergriffen von Seiten der Nazis gekommen sein.
12:30 Uhr Bahnhof Dresden-Neustadt: inzwischen sind ca. 500 bis 600 Nazis angekommen. Sie versuchen weiterhin, in kleinen Gruppen zum Bahnhofplatz zu gelangen. Es wird gemeldet, dass Nazis immer wieder Polizei und Gegendemonstranten angreifen. Der Albertplatz ist angeblich stark bedrängt. Trotzdem: die friedlichen Blockaden in der Neustadt stehen nach wie vor, brauchen dennoch Verstärkung.
12:55 Uhr Dresden Schauburg: Da die Neonazi-Busse nicht zu ihrem Treffpunkt durchkommen, lassen die Busfahrer die Rechtsextremen in "kleinen" Gruppen von 50 bis 300 Mann bereits vor dem geplanten Treffpunkt aussteigen, damit diese zu ihrem Kundgebungsplatz laufen können, berichtet der Abgeordnete Henning Homan. An der Schauburg gab es bereits gewalttätige Auseinandersetzungen. Ein unbestätigtes Gerücht besagt, dass auch ein alternatives Jugendzentrum, das AZ Conni, von Neonazis überfallen wurde.
13:00 Uhr Dresden Neustadt: Am Bahnhof Neustadt sind inzwischen ca. 1.000 Neonazis angekommen. Die Blockaden Hansastraße und Albertplatz stehen nach wie vor. Weitere Züge kommen derzeit nicht durch, da es bereits vor Dresden Schienenblockaden gibt.
13:20 Uhr Bahnhof Dresden-Neustadt: Tickermeldungen berichten vom Wasserwerfereinsatz am Neustädter Bahnhof. Insgesamt sei die Situation zunehmend unübersichtlicher. Zudem bewegt sich ein Tross von Rechtsextremen die Großenhainer Straße hinunter in Richtung der Blockade Hansastraße. Trotzdem wird dazu aufgerufen, so weit es im Rahmen des Selbstschutzes möglich ist, die Blockade aufrecht zu halten und weiterhin friedlich gegen den Neonaziaufmarsch zu demonstrieren.
13:25 Uhr Bischofsplatz: coloRadio meldet die Räumung der Blockade am Bischofsplatz. Aktivisten haken sich ein und werden von der Polizei weggetragen.
13:55 Uhr Dresden Neustadt: Tickermeldungen verlauten: "Haltet die Blockaden! Auch wenn es etwas chaotisch ist, wir haben unser Ziel erreicht und den Aufmarsch verhindert!" In der taz wird die Polizei mit den Worten: "Bitte gehen Sie einfach! Wir kriegen das nicht hin zitiert", zitiert. Wie viele Beamte derzeit im Einsatz sind, kann im Moment nicht genau beziffert werden.
14:00 Uhr Bischofsplatz: Eine Augenzeugin meldet gegenüber coloRadio, dass in der Nähe zum Bischofsplatz / Fritz-Reuter-Straße zwei spontane Nazi-Demonstrationen aufeinandertreffen.
14:15 Uhr Hansastraße: Ein Demonstrant, der an der dortigen Blockade teilnimmt, meldet gegenüber Endstations RECHTS., dass die Nazis, die sich auf der Großenhainer Straße in Richung Hansastraße bewegten, umgeleitet wurden in Richtung Bischofsplatz, sodass es zu keinem Kontakt zwischen Rechtsextremen und den Gegendemonstranten auf der Hansastraße kam. Offenbar werden die Nazis von der Polizei über den Bischofslatz, Dammweg in Richtung Neustädter Bahnhof geleitet. Vor Ort an der Hansastraße wird weiterhin dazu aufgerufen, die Blockade zu halten. Im Moment sieht es so aus, dass "hier in der Nähe keine Nazidemo" stattfindet, so der Demonstrant. Unbestätigten Gerüchten zufolge befinden sich derzeit ca. 1.000 Rechtsextreme vor dem Neustädter Bahnhof, jedoch seien noch mehrere Tausend vom Bischofsplatz aus unterwegs. Am Bischofsplatz sind angeblich Wasserwerfer der Polizei postiert.
14:20 Uhr Königsbrücker Straße: die taz meldet, dass Antifa-Aktivisten auf der Königsbrücker Straße / Lößnitzstraße durch die Polizeiabsperrungen in Richtung Albertplatz durchzubrechen versuchen. Knallkörper explodierten. Zugleich ziehen ca. 4.000 Autonome Nationalisten in Richtung Bahnhof Neustadt.
14:35 Uhr Bischofsplatz: Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen am Bischofsplatz ist laut taz-Meldung mindestens eine Person verletzt worden. Auch scheint sich die Meldung auf den Überfall eines alternativen Jugendzentrums, das AZ Conni, zu bestätigen. Von dort wird ein schwer Verletzter gemeldet.
14:40 Uhr Königsbrücker Straße: Die Polizei hat die Gegendemonstation hier und am Dammweg geräumt. Ca. 4.000 Neonazis sind weiterhin in Richtung Neustädter Bahnhof unterwegs.
14:50 Uhr Dresden-Neustadt: Die Informationsplattform der Rechtsextremen "de.altermedia.info" ruft seine Anhänger per Eilmeldung dazu auf, in den "Norden von Dresden" zu kommen, zumal eine Gegendemonstration geräumt wurde. Außerdem wird gemeldet, dass weitere 11 Busse an verschiedenen Punkten in Dresden "abgesetzt" haben und die Nazis bald zu der großen Gruppe in der Neustadt stoßen werden.
15:00 Uhr Dresden-Neustadt: Über den Ticker läuft die Meldung: obwohl die Nazis marschbereit seien, sieht die Polizei derzeit keine Möglichkeit, sie loslaufen zu lassen. Die Sicherheit könne nach Polizeiangaben nicht gewährleistet werden. Aufgrund der "erfolgreichen Blockaden" können die Nazis nicht vom Schlesischen Platz aus zu ihrer Demonstration starten. Durchhalte-Parolen an die Blockierenden sind viel zu lesen und vor Ort durch die Veranstalter zu hören - in zwei Stunden muss der Marsch der Rechtsextremen gemäß dem Auflagenbescheid beendet sein. Warnungen vor "prügelnden Nazis" werden ausgesprochen, von Nazis, die in Grüppchen durch Dresden laufen und "Leute vermöbeln", ist zu lesen.
15:15 Uhr Dresden-Neustadt: Der Naziaufmarsch ist definitiv abgesagt, melden mehrere Online-Medien. Es findet lediglich eine stationäre Kundgebung statt.
15:25 Uhr Dresden-Neustadt: Auf dem Schlesischen Platz halten die Nazis ihre Kundgebung ab. coloRadio meldet, dass sie von der Polizei "dicht abgeriegelt" seien. Auf den Kommunikationsplattformen im Internet überschlagen sich die Meldungen zum abgesagten Aufmarsch. Die Mehrzahl freut sich, dass die Blockadestrategie erfolgreich war und nach wie vor ist.
15:40 Uhr Bischofsplatz: Zur Stunde räumt die Polizei die Blockade am Bischofsplatz. Auf You tube ist ein kurzer Film zur Räumung zu sehen.
15:50 Uhr Bahnhof Dresden-Neustadt: Verschiedene Onlinequellen melden, dass ca. 4.500 Nazis am Bahnhof Neustadt in "Marschformation" stehen und angeblich zurück über den Dammweg Richtung Wilder Mann marschieren. Es handelt sich damit um eine alternative Marschroute.
16:05 Uhr Dresden-Neustadt: Der Landtagsabgeordnete Henning Homan, der in Dresden bei den Demonstrationen vor Ort ist, bestätigt die letzte Meldung. Die Rechtsextremen werden über den Dammweg zurückgeleitet, zurück zu ihren Bussen. D.h. es ist damit zugleich die "Abmarschroute" der Nazis, so Homann. Um diesen Rückweg zu gewährleisten, hat die Polizei eine Sitzblockade auf dem Dammweg geräumt.
16:10 Uhr Bahnhof Dresden-Neustadt: In diesem Minuten steht der Landtagsabgeordnete Holger Mann vor dem Bahnhof und berichtet gegenüber Endstations RECHTS. von ca. 3.500 bis 4.000 Nazis, die darauf warten, zurück zu ihren Bussen marschieren zu können. Mann schätzt, dass dies "in der nächsten Stunde" passieren soll. Er bestätigt die vielen Onlinemeldungen, dass es vor Ort friedlich geblieben ist und es zu keinerlei Zusammenstößen zwischen Rechtsextremen und den Blockierern gekommen ist.
16:20 Uhr Hansastraße / Dammweg: die taz meldet, dass die Polizei die Hansastraße / Fritz-Reuter-Straße absperrt und den Anwohnern des Dammwegs per Lautsprecher durchgibt, dass sie "bis 17:30 Uhr hier nicht durchkommen". In der Hansastraße werden unterdessen Wasserwerfer und Räumpanzer aufgefahren. Die Busse stehen angeblich an der Stauffenbergallee im Norden von Dresden.
16:25 Uhr Marsch-Route: Angeblich dürfen Nazis diesen Weg laufen, weiß die taz. Strecke ist nach wie vor an vielen Stellen blockiert.
16:30 Uhr Dresden-Neustadt: die Polizei wird gegenüber den Rechtsextremen mit folgenden Worten zitiert: "Weil die Strecke nicht frei ist, kann Ihr Aufmarsch nicht genehmigt werden." Die Nazis rufen zurück: "Wir wollen marschieren" und "Straße frei der deutschen Jugend". Überall Aufrufe, weiter zu blockieren.
16:40 Uhr Hansastraße: Nach wie vor räumt die Polizei an diesem Ort die Blockade. Ein weiteres Auto wurde umgekippt, erneut sind Knallkörper explodiert. Auch wird von Flaschenwürfen auf Polizeibeamte berichtet. Wasserwerfer werden an der Hansastraße aufgefahren. Die taz meldet: "Antifas werden hin- und hergescheucht".
16:45 Uhr Bahnhof Dresden-Neustadt: die marschbereiten Nazis werden langsam unruhig, melden mehrere Onlinemedien und -plattformen. Sie werfen Flaschen, Eisbrocken und Feuerwerkskörper auf die Polizisten. Die Blockierer werden immer wieder daran erinnert, friedlich zu bleiben.
17:00 Uhr Hansastraße / Bahnhof Dresden-Neustadt: Es wird gemeldet, dass an der Hansastraße eine brennende Barrikade mit Wasserwerfern vor wenigen Minuten gelöscht wurde. Inzwischen hat sich wohl auch die Stimmung unter den Nazis wieder etwas beruhigt. Der Versammlungsleiter erklärte: "Alle bleiben auf ihren Plätzen, wir sind zum Trauern hier." Hennig Homan bestätigte gegenüber Endstations RECHTS., dass die Nazis nun doch nicht mehr marschieren dürfen. Gemäß den Auflagen für die Veranstaltungen darf ab 17:00 Uhr ohnehin keine Aktion der Nazis mehr stattfinden.





