Montag, den 08. Februar 2010 um 03:30 Uhr

„Moslemkritik als Türöffner“ – 1.200 Euro vom NPD-Bundesvorstand für Antiislamisierungs-Ideen

Verfasst von Robert Scholz
Ganzseitig befasst sich die „Deutsche Stimme“ in ihrer aktuellen Ausgabe (2/2010) mit den „inhaltlichen und taktischen Gründen für den Kampf gegen Islamisierung“. Der völlig unbekannte Autor Axel Herold klärt den gemeinen DS-Leser darüber auf, dass Moslemkritik nicht gleichzeitig Philosemitismus bedeuten muss, der Kritik aber eine „Eisbrecherfunktion“ zukomme. „Witzige“ Ideen von Kameradschaften gegen die Islamisierung sollen daher vom Parteivorstand demnächst auch mit Geld honoriert werden. 
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Die NPD hat man lange Jahre als antisemitische Partei gekannt, Vereinigungen, die eher auf den Antiislamismus setzten, wurden der „Israel-Connection“ zugeschlagen. Mit dem Votum der Schweizer für ein Minarett-Verbot erkannten aber auch die politisch Verantwortlichen in der NPD, dass das Thema Antiislamismus nicht länger ignoriert werden kann. Dass man zuvor jahrelang den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad für dessen antisemitischen Entgleisungen gefeiert hat, war ein Schönheitsfehler, den es zu rechtfertigen galt. Über die Unterscheidung zwischen innen- und außenpolitischen Positionen versuchte die NPD diesem Spagat die nötige Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Axel Herold formuliert dies in der aktuellen Ausgabe der NPD-Parteizeitung so: „Vor allem schließt die innenpolitische Gegnerschaft zum Islam nicht die außenpolitische Würdigung der islamischen Welt als letztes Bollwerk gegen die Durchkapitalisierung und Durchamerikanisierung der Welt aus.“ Allein die „simple Logik“, dass der Feind meines Feindes mein Freund sei, sollte Herold zufolge ausgeschlossen werden, da sie „gefährliche Bündnis-Illusionen“ nähre. Was Herold damit meint macht er selbst deutlich: „Der Jude ist nicht plötzlich mein Freund, weil ich innenpolitisch gegen Moslems bin, und der Moslem ist nicht mein Freund, weil ich außenpolitisch gegen USrael bin.“

Diese „Bündnis-Illusionen“ seien „dumme Flügelpositionen im ,rechten‘ Lager“: „Systemnahe Rechtskonservative neigen dazu“, so Herold, „sich im Kampf gegen die Islam-Lobby mit der Israel-Lobby zu verbünden, und ,nationale Sozialisten‘ neigen umgekehrt dazu, sich im Kampf gegen die Israel-Lobby mit der Islam-Lobby zu verbünden.“ Über Deutschland dürfe „weder der Halbmond noch der Davidstern hängen.“ Künftig solle aber der „Kampf gegen die islamische Überfremdung das Kernthema nationaler Kampagnen sein.“

Das sehen Parteivorstand und Nachwuchsorganisation offenbar nicht anders. Für einen Ideenwettbewerb der „Jungen Nationaldemokraten“ (JN) hat der Parteivorstand 1.200 Euro zur Verfügung gestellt. So ruft der JN-Bundesvorsitzende Michael Schäfer in der DS dazu auf, „witzige“ Ideen zu den Themen Volkstod und Islamisierung einzureichen. Mit den Preisen zwischen 100 und 300 Euro je Thema soll „die örtliche Stützpunkt- oder Kameradschaftskasse“ aufgefüllt werden.

Folgt man Herold, bilde die Kritik am Islamismus aber ohnehin nur eine „Eisbrecher-Funktion“ für einen weitaus umfassenderen Plan: „Die populäre Moslemkritik kann zum Türöffner für die viel weitergehende Ausländerkritik der nationalen Opposition werden.“ Die Islamkritik, auch daraus macht Herold keinen Hehl, folgt somit in erster Linie „wahltaktischen“ Gründen.

3 Kommentare

  • Kommentar Link L.B. Montag, den 08. Februar 2010 um 23:26 Uhr veröffentlicht von L.B.

    Solch frühsenilen und selbstentlarvenden confesiones eines kackfarbenden Mitläufers sind doch wirklich aufschlussreich. Bei der Intensität, mit der die Braunbatzen gegen den Islam, die Muslime und die angebliche Islamisierung hetzen, könnte man doch meinen, dass die "Kritik" der NPD auf irgendeiner profunden Sachkenntnis des "kritisierten" Gegenstandes und damit verbundenen Lösungsvorschlägen basiert, doch siehe da - Pustekuchen!!! Den Faschos geht es in Wirklichkeit nur um die Erschleichung wahltaktischer Vorteile, indem man Hetze und Hysterie als "Kritik" verkauft. Dass hinter dieser Kritik absolut nichts Inhaltliches steckt, dürfte damit bewiesen sein. Und all das bei der krampfhaft zur Schau gestellten Ernsthaftigkeit, mit der die ätzenden Rattenfänger ihre Politikfähigkeit unter Beweis zu stellen versuchen. An dieser Stelle drängt sich völlig unvermutet, jedoch nicht ganz unberechtigt, die Frage auf, ob dieses heuchlerische Vorgehen der braunen Kameraden nicht nur bei der "Moslemkritik" - oh, oh, ist dies eine heimliche Liebesbekundung an alle Muslima!? - anzufinden ist, sondern auf allen von der NPD beackerten Politikfeldern stattfindet? ---

    Solche offenherzigen Bekenntnisse sollte man auf jeden Fall im Kampf gegen die Faschos nutzen, um ihre intellektuelle Substanzlosigkeit offen zu legen. Eine Partei, die auf die von ihr hysterisierte "Islamisierug" und "Überfremdung" nichts außer einem platten "Gute Heimreise" anzubieten hat, ist zu keinem Zeitpunkt politikfähig und enrnsthaft zu nennen. Dass man dies jetzt so offenherzig - haben Nazis überhaupt ein Herz? - eingesteht, ist ein neuer Tiefpunkt in der unendlichen Geschichte der NPD-Peinlichkeiten. Gerade eine Partei, die ihre politischen Feinde gerne als Versager brandmarkt und ihnen vorwirft, abgewirtschaftet zu haben, sollte mehr als stupide Hetze zu bieten haben.

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  • Kommentar Link Björn Dienstag, den 09. Februar 2010 um 18:01 Uhr veröffentlicht von Björn

    @L.B.
    Wiedereinmal beweist ein antifaschistischer Musterdemokrat, dass sich Gossensprache und Antifaschismus sehr gut ergänzen. Vielen Dank dafür.

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  • Kommentar Link L.B. Mittwoch, den 10. Februar 2010 um 15:49 Uhr veröffentlicht von L.B.

    @Björn:
    Ach, dich gibt es auch noch? Dachte, du wärst schon auf der Pilgerfahrt nach Dresden, um zu "gedenken".

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