„Moslemkritik als Türöffner“ – 1.200 Euro vom NPD-Bundesvorstand für Antiislamisierungs-Ideen
Verfasst von Robert Scholz-
Schriftgröße
Schrift verkleinern
Schrift vergrößern
Die NPD hat man lange Jahre als antisemitische Partei gekannt, Vereinigungen, die eher auf den Antiislamismus setzten, wurden der „Israel-Connection“ zugeschlagen. Mit dem Votum der Schweizer für ein Minarett-Verbot erkannten aber auch die politisch Verantwortlichen in der NPD, dass das Thema Antiislamismus nicht länger ignoriert werden kann. Dass man zuvor jahrelang den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad für dessen antisemitischen Entgleisungen gefeiert hat, war ein Schönheitsfehler, den es zu rechtfertigen galt. Über die Unterscheidung zwischen innen- und außenpolitischen Positionen versuchte die NPD diesem Spagat die nötige Glaubwürdigkeit zu verleihen.
Axel Herold formuliert dies in der aktuellen Ausgabe der NPD-Parteizeitung so: „Vor allem schließt die innenpolitische Gegnerschaft zum Islam nicht die außenpolitische Würdigung der islamischen Welt als letztes Bollwerk gegen die Durchkapitalisierung und Durchamerikanisierung der Welt aus.“ Allein die „simple Logik“, dass der Feind meines Feindes mein Freund sei, sollte Herold zufolge ausgeschlossen werden, da sie „gefährliche Bündnis-Illusionen“ nähre. Was Herold damit meint macht er selbst deutlich: „Der Jude ist nicht plötzlich mein Freund, weil ich innenpolitisch gegen Moslems bin, und der Moslem ist nicht mein Freund, weil ich außenpolitisch gegen USrael bin.“
Diese „Bündnis-Illusionen“ seien „dumme Flügelpositionen im ,rechten‘ Lager“: „Systemnahe Rechtskonservative neigen dazu“, so Herold, „sich im Kampf gegen die Islam-Lobby mit der Israel-Lobby zu verbünden, und ,nationale Sozialisten‘ neigen umgekehrt dazu, sich im Kampf gegen die Israel-Lobby mit der Islam-Lobby zu verbünden.“ Über Deutschland dürfe „weder der Halbmond noch der Davidstern hängen.“ Künftig solle aber der „Kampf gegen die islamische Überfremdung das Kernthema nationaler Kampagnen sein.“
Das sehen Parteivorstand und Nachwuchsorganisation offenbar nicht anders. Für einen Ideenwettbewerb der „Jungen Nationaldemokraten“ (JN) hat der Parteivorstand 1.200 Euro zur Verfügung gestellt. So ruft der JN-Bundesvorsitzende Michael Schäfer in der DS dazu auf, „witzige“ Ideen zu den Themen Volkstod und Islamisierung einzureichen. Mit den Preisen zwischen 100 und 300 Euro je Thema soll „die örtliche Stützpunkt- oder Kameradschaftskasse“ aufgefüllt werden.
Folgt man Herold, bilde die Kritik am Islamismus aber ohnehin nur eine „Eisbrecher-Funktion“ für einen weitaus umfassenderen Plan: „Die populäre Moslemkritik kann zum Türöffner für die viel weitergehende Ausländerkritik der nationalen Opposition werden.“ Die Islamkritik, auch daraus macht Herold keinen Hehl, folgt somit in erster Linie „wahltaktischen“ Gründen.
3 Kommentare
-
Kommentar Link
Montag, den 08. Februar 2010 um 23:26 Uhr
veröffentlicht von L.B.
Solch frühsenilen und selbstentlarvenden confesiones eines kackfarbenden Mitläufers sind doch wirklich aufschlussreich. Bei der Intensität, mit der die Braunbatzen gegen den Islam, die Muslime und die angebliche Islamisierung hetzen, könnte man doch meinen, dass die "Kritik" der NPD auf irgendeiner profunden Sachkenntnis des "kritisierten" Gegenstandes und damit verbundenen Lösungsvorschlägen basiert, doch siehe da - Pustekuchen!!! Den Faschos geht es in Wirklichkeit nur um die Erschleichung wahltaktischer Vorteile, indem man Hetze und Hysterie als "Kritik" verkauft. Dass hinter dieser Kritik absolut nichts Inhaltliches steckt, dürfte damit bewiesen sein. Und all das bei der krampfhaft zur Schau gestellten Ernsthaftigkeit, mit der die ätzenden Rattenfänger ihre Politikfähigkeit unter Beweis zu stellen versuchen. An dieser Stelle drängt sich völlig unvermutet, jedoch nicht ganz unberechtigt, die Frage auf, ob dieses heuchlerische Vorgehen der braunen Kameraden nicht nur bei der "Moslemkritik" - oh, oh, ist dies eine heimliche Liebesbekundung an alle Muslima!? - anzufinden ist, sondern auf allen von der NPD beackerten Politikfeldern stattfindet? ---
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Solche offenherzigen Bekenntnisse sollte man auf jeden Fall im Kampf gegen die Faschos nutzen, um ihre intellektuelle Substanzlosigkeit offen zu legen. Eine Partei, die auf die von ihr hysterisierte "Islamisierug" und "Überfremdung" nichts außer einem platten "Gute Heimreise" anzubieten hat, ist zu keinem Zeitpunkt politikfähig und enrnsthaft zu nennen. Dass man dies jetzt so offenherzig - haben Nazis überhaupt ein Herz? - eingesteht, ist ein neuer Tiefpunkt in der unendlichen Geschichte der NPD-Peinlichkeiten. Gerade eine Partei, die ihre politischen Feinde gerne als Versager brandmarkt und ihnen vorwirft, abgewirtschaftet zu haben, sollte mehr als stupide Hetze zu bieten haben.
-
Kommentar Link
Dienstag, den 09. Februar 2010 um 18:01 Uhr
veröffentlicht von Björn
@L.B.
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Wiedereinmal beweist ein antifaschistischer Musterdemokrat, dass sich Gossensprache und Antifaschismus sehr gut ergänzen. Vielen Dank dafür.
-
Kommentar Link
Mittwoch, den 10. Februar 2010 um 15:49 Uhr
veröffentlicht von L.B.
@Björn:
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Ach, dich gibt es auch noch? Dachte, du wärst schon auf der Pilgerfahrt nach Dresden, um zu "gedenken".
Kommentar hinzufügen
Nachrichten
-
Berliner CDU-Fraktionsführung stimmt für den Ausschluss des Islamkritikers Stadtkewitz Der Vorstand der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus...
-
Siedlungsprojekt in Mecklenburg-Vorpommern: Wohnen und Leben in Nazi-Tradition Vom eigenen Anbau leben, in der Gemeinschaft kochen,...
-
Kein Ort Für Neonazis in Mecklenburg-Vorpommern 2010/2011 Die Amadeu Antonio Stiftung startet heute eine Kampagne...
-
Ausstellung in Rostock: Neofaschismus in Deutschland Heute eröffnet in Rostock eine Ausstellung zum Thema...
-
Fall Laucha: 20-Jähriger nach Übergriff auf Israeli zu Bewährungsstrafe verurteilt In der kleinen sachsen-anhaltinischen Gemeinde Laucha...
- 1
- 2
- 3
- 4
- 5
Nach Bundesländern
|
Letzte Kommentare
-
Lieber us171,
>Sie antworten leider nicht auf meine Frage.
Doch,…
Verfasst von Xberg
57 Minutes Ago
-
Nach dem heute morgen bereits die neuen "Freiheit statt BRD!"-CDs…
Verfasst von leO
1 Hour Ago
-
gerade deklariert sarrazin die juedische gengeschichte zum fehler. er haette…
Verfasst von B.C.
2 Hours Ago
-
sarrazin hat ja auch einen gewissen unterhaltungswert. habe gerade mal…
Verfasst von B.C.
2 Hours Ago
-
"... gibt es auch andere, deutlich rechtsextrem geprägten Aufgaben. Zum…
Verfasst von sommer
3 Hours Ago
-
@thomas wendt
ihre ausfuehrungen und motive sind fuer mich nachvollziehbar.…
Verfasst von B.C.
3 Hours Ago
-
Das mit dem Lesen üben wir aber nocheinmal.
Nicht dass…
Verfasst von Roichi
4 Hours Ago
-
das Christian Worch in parchim lebt, ist mir neu -…
Verfasst von B.C.
5 Hours Ago
-
Beim Lesen des Artikels fiel mir auf, daß ich ab…
Verfasst von Sommer
6 Hours Ago
-
@us171 und @B.C. Niemals habe ich versucht der Sarrazin-Versteher zu…
Verfasst von Thomas Wendt
6 Hours Ago
Medientipp
- Siedlungsprojekt in Mecklenburg-Vorpommern: Wohnen und Leben in Nazi-Tradition Donnerstag, den 02. September 2010 um 11:04 Uhr
Beliebteste Artikel
- Storch Heinar verleiht „Horst des Jahres 2010“ - Zeigt her die faulsten Eier und holt Euch den Eierlikör-Pokal! Gelesen: 1653 mal
- Sozialrevolutionäre Positionen in der NPD auf dem Vormarsch? Gelesen: 1614 mal
- SPD will angeblich Thilo Sarrazin ausschließen Gelesen: 1379 mal
- Ein "ganz alltäglicher Ort" - Peter Eisenmann über sein Holocaust-Mahnmal in Berlin Gelesen: 858 mal
- Nach Rechtsextremismusverdacht: Lüneburger Kindergärtnerin arbeitet wieder Gelesen: 722 mal




