Freitag, den 05. Februar 2010 um 13:35 Uhr

"Jene Zeitung kenne ich nicht" - Prof. Wolffsohn distanziert sich von "Zuerst!"

Verfasst von Mathias Brodkorb
michael_wolffsohnNach unserer Berichterstattung über die zweite Ausgabe des Nachrichtenmagazins "Zuerst!" distanzierte sich der deutsch-jüdische Historiker Michael Wolffsohn vom Hintergrund der Publikation: "Jene Zeitung kenne ich nicht, wohl aber Herrn Dr. Deschner. Um jenes Interview wurde ich von ihm gebeten."
reloaded

Deschner sei ihm aus der Zusammenarbeit mit dem Straube-Verlag bekannt. Dort habe dieser als Lektor gearbeitet, als Wolffsohns Buch "Keine Angst vor Deutschland!" erschien. "Es wurde seinerzeit viel beachtet, und meine damalige Analyse traf zu", so Wolffsohn auf Anfrage von ENDSTATION RECHTS. Als "Sohn und Enkel von Holocaust-Überlebenden" müsse er sich nicht in die Ecke von Förderern des Rechtsextremismus stellen lassen.

Seinen eigenen Standpunkt sowie seine Meinung zum geplanten Magazin machte Wolffsohn in einem Mailwechsel, der ENDSTATION RECHTS. vorliegt, Deschner am 2. Januar 2010 deutlich. Deschner hatte Wolffsohn nach dessen Angaben das Editorial der ersten Ausgabe zur Verfügung gestellt: "Ich kann und will es nicht verhehlen: Mir gefallen Inhalt und Stil des Editorials nicht." Was denn bitte "deutsche Interessen" seien, fragt Wolffsohn Deschner. Er habe zwar nichts gegen "deutsche Interessen", aber "doch stets als Teil eines freiheitlichen demokratischen internationalen Systems". Der Ausrichtung des von Deschner verantworteten Magazins erteilte Wolffsohn damals eine Absage: "Ihr Konzept fischt in Milieus, die nie zu meinen zählten, zählen werden, zählen sollen. Mein Konservativismus ist letztlich urliberal - vor allem westlich."

Video

Dim lights
Mathias Brodkorb

Mathias Brodkorb

Mitglied des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern für die SPD, Gräzist und Philosoph, Mitbegründer von www.endstation-rechts.de

Website: www.endstation-rechts.de

6 Kommentare

  • Kommentar Link WP Freitag, den 05. Februar 2010 um 16:09 Uhr veröffentlicht von WP

    Zum zweiten Mal schon weiß Herr Wolffsohn nicht, welchem Medium er ein Interview gibt. Das ist schon kurios, wie Menschen, die sonst auch nie mit ihrer Meinung hinterm Berg halten, plötzlich den Schwanz einkneifen, wenn "Rechts-Alarm" ausgelöst wird. Zivilcourage sieht anders aus, Herr Wolffsohn!
    Und an Herrn Brodkorb die Frage: Sie nehmen Herrn Wolffsohn sein Unwissen wirklich ab?

    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
  • Kommentar Link Dr. Günther Deschner Freitag, den 05. Februar 2010 um 17:27 Uhr veröffentlicht von Dr. Günther Deschner

    Was, Herr Brodkorb, finden Sie daran „paradox“, wenn sich ein deutsch-jüdischer Patriot in einem patriotischen Medium wie dem nicht-linken Magazin „Zuerst!“ äußert?
    Grundsätzlich äußere ich mich zu Kommentaren zu meiner Tätigkeit als Journalist nicht – selbst wenn sie mir gefallen oder wenn sie mich ärgern. Das gilt besonders für verbale Hervorbringungen in Organen, die im „Kampf gegen rechts“ eine Rolle spielen und dabei die Grenze zwischen Agitation und Information oft verwischen..
    Bei Ihrem Beitrag über „ausgerechnet“ Prof. Michael Wolffsohn , Herr Brodkorb, greife ich ausnahmsweise doch mal in die Tasten – erstens weil Sie zu den Autoren gehören, deren Bemühen um einen sachlichen Ton oft von Erfolg gekrönt ist.
    Zweitens und vor allem, weil es um den Historiker und Publizisten Michael Wolffsohn geht, dessen patriotisches deutsch-jüdisches Selbstverständnis ich schätze und mit dem ich – im Kontext des Themas „Jüdische Patrioten in Deutschlands Geschichte und Gegenwart“ – in mehreren Stationen meiner beruflichen Karriere in der Sache beachtliche und persönlich für beide Seiten erfolgreiche und erfreuliche Begegnungen hatte.
    1989, als der Prozeß der Wiedervereinigung sich beschleunigte und heftige Diskussionen zwischen Befürwortern und Gegnern der deutschen Einheit im Gange waren, konnte ich ihn als Geschäftsführer des STRAUBE-Verlages, Erlangen, als Autor für ein Buch gewinnen, das sich mit der Wiedervereinigungsthematik befaßte, darunter auch mit der wirren, aber doch speziell aus Kreisen der amerikanischen „Ostküste“ zu vernehmenden Angst, mit der Wiedervereinigung könne ein „Viertes Reich“ entstehen, das in punkto Antisemitismus einen ähnlichen Weg gehen könne wie das „Dritte“. Jeder Mensch mit klarem Verstand wußte natürlich, daß solche diffusen Ängste in der politischen und geistigen Verfaßtheit der BRD- und DDR-Deutschen keine Entsprechung fanden. Umso wichtiger erschien mir daß Michael Wolffsohn aus dem Selbstverständnis eines deutsch-jüdischen Patrioten heraus mit seinem Buch „Keine Angst vor Deutschland!“ die Dinge geraderückte und sich schützend vor das Deutschland von heute stellte.
    1990/91, als Autor und Produzent der zweiteiligen Filmdokumentation „Ich bin Deutscher - Jüdische Patrioten in Deutschlands Geschichte“ konnte ich ihn als Interview- und Drehpartner erneut gewinnen. Der Zweiteiler (zwei mal 45 Min.) stellte mit Filmdokumenten, Realdreh und Interviews die Rolle und Leistung deutsch-jüdischer Patrioten von den Befreiungskriegen gegen Napoleon, in der Freiheits- und Einheitsbewegung von 1848, beim Auf- und Ausbau des Kaiserreichs, im Ersten Weltkrieg, in der Ersten Republik und dann wieder nach 1945 bis hin zur Wiedervereinigung dar – von Heine und Börne also über Ballin und Rathenau bis hin zu Löwenthal und zu Wolffsohn. Der Film war vom Bundespresseamt gefördert worden, wurde in Dritten Programmen gesendet und war jahrelang ein Renner im Schulfilmprogramm und ist bis heute im Verleih.
    Für mich war und ist es als Historiker und Publizist, wie Sie allein aus diesen zwei Beispielen von vielen ersehen, immer ganz selbstverständlich, daß in all den Phasen der Geschichte, in denen den Deutschen das Ringen um Freiheit und Einheit, um Größe und Bestand immer wieder aufs neue aufgegeben war und ist, auch die Rolle deutsch-jüdischer Patrioten zu verdeutlichen ist.
    Diese Linie behalte ich auch als Chefredakteur des Monatsmagazins ZUERST! bei. Wenn Sie es „paradox“ und „kurios“ finden, daß „ausgerechnet“ der deutsch-jüdische Patriot Wolffsohn „ausgerechnet“ in einem Blatt „zu Wort kommt“, das unter meiner journalistischen Leitung steht, kann ich dem nichts abgewinnen. Sie werden im vorliegenden Februarheft auch sonst keinen Hinweis auf einen versteckt eingebauten „Arier-Paragraphen“ finden. Das große Interview mit dem amerikanischen Philosophen Carl Cohen haben Sie übersehen? Oder den Artikel über den deutsch-jüdischen Patrioten Fritz Haber, oder den über den deutsch-jüdischen Maler Liebermann? Mag sein, daß Ihnen die Selbstverständlichkeit ungewohnt ist, mit der wir u.a. auch mit dem deutsch-jüdischen Thema umgehen, mag sein, daß wir Ihnen als „Schmuddelkind“, wie Sie uns zu nennen beliebt haben, lieber wären. Aber das ist glücklicherweise Ihr Problem, nicht meines.
    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Günther Deschner
    Redaktion ZUERST!

    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
  • Kommentar Link L.B. Freitag, den 05. Februar 2010 um 17:42 Uhr veröffentlicht von L.B.

    Ist es eigentlich eine Masche dieser neurechten und rechtskonservativen Plüsch-Nazis sich ihren "lagerfremden" Interviewpartnern nicht zu erkennen zu geben, selbst auf Nachfrage hin??? --- Wenn man liest, dass Prof. Wolfssohn zuerst von der JF über ihren Hintergrund im Unklaren gelassen wurde (wenn auch bereits 1991; oder hat sich seit dem nichts geändert) und jetzt von den Braunis von "Zuerst!", dann scheint die Vernebelungstaktik Methode zu sein. --- Es wäre ja nicht das erste mal, dass so manchem Interviewten nach einem Interview mit einen rechtskonservativen Organ die Lichter angehen würden.

    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
  • Kommentar Link Mathias Brodkorb Freitag, den 05. Februar 2010 um 18:18 Uhr veröffentlicht von Mathias Brodkorb

    Guten Tag Herr Deschner, nein, dass Juden Patrioten sein können, finde ich nicht paradox. Hab' ich ja auch nicht behauptet. Was ich paradox finde, kann ja jeder nachlesen, der den Ansatz meines "sachlichen Tons" beim Lesen selbst anwendet. Und zwar hier: http://www.endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=4380 Gruß Brodkorb

    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
  • Kommentar Link supernova Samstag, den 06. Februar 2010 um 17:30 Uhr veröffentlicht von supernova

    Was genau ist das Problem, wenn Person X Person Y Fragen für ein Interview beantwortet? Wohin soll diese, in denunziatorischer Absicht geführte, Polemik führen, Herr Brodkorb? Daß sich Person X, bald 63 Jahre alt, Professor und Träger mehrer Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz, vor Person Z, 33 Jahre alt, und seinem anonymen Publikum zu rechtfertigen hat dafür, daß er mit Person Y, knapp 70 Jahre, die hier nur exemplarisch steht, ein öffentliches Gespräch geführt hat? Das ganze erfährt seine Steigerung noch durch die Tatsache, daß Person Z den Inhalt des Gesprächs als belanglos bezeichnet.

    Aber auch das gehört zum System Brodkorb, und es bleibt zu hoffen, daß jeder neurechte oder konservative Knabe, der hier gestreichelt wird, die anmaßende Selektionspolitik des Herrn Brodkorb durchschaut, die sich letzten Endes von den Methoden der Röpke, Gensing und Co. gar nicht so sehr unterscheidet.

    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
  • Kommentar Link Dr. Schreiber Montag, den 08. Februar 2010 um 22:21 Uhr veröffentlicht von Dr. Schreiber

    Nun greifen sie mir den Herrn Brodkorb nicht immer an. Herr Brodkorp hat doch einen gewissen Horrizont und versucht sich in die Meinungen und Gedanken Adersdenkender zu versetzen.

    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Kommentar hinzufügen


Nachrichten

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5

Nach Bundesländern

Thueringen Schleswig-Holstein Sachsen-Anhalt Sachsen Saarland Rheinland-Pfalz Nordrhein-Westfalen Mecklenburg-Vorpommern Hessen Hamburg Bremen Berlin Bayern Baden-Wuertemberg Niedersachsen Brandenburg
buy cheap software