'Ritter' gegen 'Primitivling'? Pastörs (NPD) watscht Müller (NPD) ab
Verfasst von Robert Scholz-
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Den zunächst wenig spektakulären Tagesordnungspunkt zum Verbot so genannter „Mixed Martial Arts“-Veranstaltungen in M-V nutzten die NPD-Abgeordneten Udo Pastörs und Tino Müller zum öffentlichen Schlagabtausch. Während Müller von den Kampfveranstaltungen geradezu schwärmte, kritisierte Pastörs fehlende „Ritterlichkeit“ und macht eine Ästhetik aus, die nicht in "unseren Kulturkreis" gehöre.
„Schwule und Lesben“, führte der NPD-Abgeordnete Tino Müller zu Beginn seines Redebeitrages zum Verbot von Veranstaltungen mit Mixed-Martial-Arts-Kämpfen, einer Vollkontaktkampfsportart, bei der auch am Boden liegende Kämpfer noch attackiert werden dürfen, „erfreuen sich einer großen Akzeptanz in der Politik. Dies geht soweit, dass heute Schwule schon Bürgermeister oder Außenminister sind.“ Der Unsinn dieses Abschweifens bestand darin, dass Müller erklärte, dass trotzdem niemand auf die Idee kommen würde, „Schwulenparaden“ zu verbieten, obwohl diese Müller zufolge „jugendgefährdend und geschmacklos“ seien. Genauso würde es sich mit „Hip-Hop-Konzerten“ verhalten, die von einer „multikulturellen Subkultur“ veranstaltet würden. Diese seien jugendgefährdend, da sie Drogen und Gewalt verherrlichen würden. Ebenso wie „Punk-Konzerte“ nannte Müller dies „krankhafte Auswüchse unserer Zeit“.
Anders Mixed-Martial-Arts-Kämpfe, „eine Disziplin, die vom Zeitgeist losgelöst“ sei, so Müller. Hier gäbe es „klare Regeln, an die sich die Sportler“ halten müssten. „Es wird nach Gewichtsklassen und Trainingsstand gegeneinander angetreten. Dies garantiert einen ausgewogenen Kampf“, lobte Müller. „Das Training ist sehr umfangreich“, berichtete der NPD-Abgeordnete und schwärmte: „es fordert Disziplin und Manneszucht.“ Abschließend wandte sich Müller an die Abgeordneten und bat, dass sie, wenn sie etwas nicht verstünden, dies doch nicht immer gleich „schlecht reden“ müssten.
Daran hielt sich aber nicht einmal Müllers eigene Fraktion. Udo Pastörs stellte sich sogar an das Podium, um eine Erklärung zu seiner Nichtteilnahme an der Abstimmung abzugeben – ein eher seltener parlamentarischer Vorgang. Was Pastörs dann zur Begründung erklärte, scheint tiefe kulturelle Gräben innerhalb der NPD-Landtagsfraktion ans Tageslicht befördert zu haben: „Ich persönlich“, erklärte Pastörs, „halte dieses Mixed-Material-Arts-Geschäft (sic!) für widerlich, unästhetisch, unkultiviert, primitiv.“ Um nicht missverstanden zu werden, stellte der Fraktionschef aber auch umgehend klar: „Ich habe nichts gegen Kämpfe, wenn die einer gewissen Ästhetik entsprechen. Das kann mit Degen sein, das kann beim Boxen sein.“ Pastörs forderte ein „gewisses Niveau“ ein, was er den Mixed-Martial-Arts absprach. Diese Kämpfe seien etwas, „was nicht in unseren Kulturkreis" hineinpasse. Pastörs kritisierte unter anderem, dass bei diesen Kämpfen von Geschäftemachern „niederste Instinkte“ geweckt würden. Die Kritik des NPD-Fraktionsvorsitzenden richtete sich aber nicht nur an diese Form von Kampfveranstaltung. Auch in anderen Bereichen würde es zu schweren Verletzungen kommen: „Wir haben im Bereich des gesamten Sportes mittlerweile in keinster Weise mehr Ritterlichkeit“, so Pastörs.
Tino Müller verließ unmittelbar nach der Abstimmung den Plenarsaal. (Zum Video)
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Dim lights5 Kommentare
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Mittwoch, den 18. November 2009 um 21:26 Uhr
veröffentlicht von Jens Boelke
Welch Sensation .
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Mittwoch, den 18. November 2009 um 22:29 Uhr
veröffentlicht von Hans guck in die Luft
Da findet doch knallhart ein Kampf zwischen radikalen und gemäßigten Flügel statt, oder sehe ich das falsch? Nur seltsam, das Pastörs ausgerechnet die gemäßigte Schiene vertritt, während Müller die eigenen Anhänger mit seinen Aussagen natürlich bedient. Seltsam, Seltsam!
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Das sie sich widersprechen is aber allemal geil.
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Donnerstag, den 19. November 2009 um 23:14 Uhr
veröffentlicht von Hans von Luberfeld
Das ist halt gelebte Demokratie - gibts auch in der NPD!
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Freitag, den 20. November 2009 um 08:26 Uhr
veröffentlicht von
loyalbushie
In der Sache hat Pastörs ja völlig Recht (wobei ich allerdings auch Boxen schon eklig finde).
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Taktisch ist sein Auftritt allerdings ein Eigentor: Schließlich wird die NPD ja hauptsächlich von widerlichen, unästhetischen, unkultivierten und primitiven Zeitgenossen GEWÄHLT... :)
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Sonntag, den 14. Februar 2010 um 11:51 Uhr
veröffentlicht von Peter Ritter vs Kultur
"Taktisch ist sein Auftritt allerdings ein Eigentor: Schließlich wird die NPD ja hauptsächlich von widerlichen, unästhetischen, unkultivierten und primitiven Zeitgenossen GEWÄHLT"
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Ja das mag sein, nur hat dort die NPD und nicht die SED/PDS/Linkspartei ihren Auftritt gehabt
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