„Junge Freiheit“ und Piratenpartei im Gespräch über „Zensur“ im Netz
Verfasst von Robert Scholz-
Schriftgröße
Schrift verkleinern
Schrift vergrößern

Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe der „Jungen Freiheit“ sind die geplanten "Zensurmaßnahmen" der Bundesregierung. Der Kampf gegen Kinderpornographie bilde nur den „Türöffner zur Schaffung einer Infrastruktur für unterschiedsloses Vorgehen gegen mißliebige Meinungen oder Medien“. Der „Kampf gegen rechts“ stehe schon auf dem „Trittbrett“, mutmaßt die rechtskonservative Wochenzeitung. Zum Beleg dieser These bat die „Junge Freiheit“ den Vize-Bundesvorsitzenden der Piratenpartei, Andreas Popp, zum Interview.
Als Zensursula verspotten Kritiker die Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, da sie in dem sogenannten Zugangserschwerungsgesetz den Einstieg in die Aushöhlung von Bürgerrechten und staatliche Zensur ausmachen. Das Gesetz soll eigentlich den Zugang zu kinderpornographischen Inhalten erschweren. Internetfachleute aber auch Opferschutzverbände und Missbrauchsopfer behaupten hingegen es nütze Tätern sogar, schränke gleichzeitig aber massiv Grundrechte ein. So könne die zur Sperrung errichtete Infrastruktur problemlos für weitere Zensur-Maßnahmen verwendet werden, da eine Kontrolle unliebsamer Inhalte ermöglicht werde.
In das gleiche Horn stößt nun auch die „Junge Freiheit“, die sich vor kurzem bereits als Opfer von Zensurmaßnahmen Microsofts wähnte, da der Internetauftritt der Zeitung zumindest in Deutschland nicht über die Microsoft-Suchmaschine „Bing“ zu finden war. Eine ähnliche Zensur fürchtet Michael Paulwitz in der aktuellen Ausgabe (38/09) nun offenbar von der Regierung. Um „rechtsstaatlichen Abwägungen“ aus dem Weg zu gehen, bringe diese die letzten beiden Tabus in Stellung: Den Kampf gegen Kinderpornographie und Rechtsextremismus. „Als Kollateralschaden“, so Paulwitz, „trifft das Experimentieren mit Sperrfiltern nicht selten unbescholtene Medien und Angebote.“
Als Kronzeugen dieser Prophezeiung bietet die „Junge Freiheit“ den Vize-Bundesvorsitzenden der Piratenpartei, Andreas Popp, auf. Die vor drei Jahren gegründete Partei erlebt mit ihrem Kampf gegen das Zensurgesetz einen Mitgliederboom sondergleichen und bringt es aktuell auf fast 8.000 Mitglieder. Im Interview erklärt Popp, dass seine Partei sich keineswegs als „eher links“ bezeichnen würde, sondern „liberale Bürgerrechtsparteien wie FDP und Grüne“ ihr nahestehen würden. Daher sei er auch „fassungslos“, dass die „FDP in NRW davon spricht, die Zensur einzuführen“.
Nichts anderes sei nämlich das Zugangserschwerungsgesetz, in dem Popp die „Einführung eines ganz klassischen Zensurinstruments“ ausmacht, mit dem sich Deutschland Ländern wie China oder dem Iran nähere. Die Kinderpornographie sei dabei nur der Einstieg. „Plötzlich“, so Popp, „geht es auch um politische Inhalte, die etwa mit dem Argument des Extremismus herausgefiltert werden.“
9 Kommentare
-
Kommentar Link
Montag, den 14. September 2009 um 19:34 Uhr
veröffentlicht von
AndreasP
Hallo allerseits, im speziellen: Robert Scholz,
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
nach dem Lesen des Interviews und der hier geäußerten Suggestionen: Piraten sind empfänglich für "rechtes" Wählerpotential, so muss ich doch rein interessehalber nachfragen, ob der Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ebenfalls in diese Kategorie fällt.
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Junge_Freiheit&action=edit§ion=4
Schönen Abend, AndreasP
-
Kommentar Link
Montag, den 14. September 2009 um 19:35 Uhr
veröffentlicht von iwer
Kommentar hier eingDamit kein falscher Eindruck entsteht: DIE PIRATENPARTEI IST NICHT RECHTS UND UNTERSTÜTZT DIESE AUCH NICHT.eben...
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
-
Kommentar Link
Montag, den 14. September 2009 um 20:09 Uhr
veröffentlicht von Martin K.
Die Piratenpartei ist weder rechts, noch links, sonst noch was. Piraten suchen immer die beste Lösung. Und wenn so ein Vorschlag aus einer anderen Partei kommt, ist es zunächst einmal egal, von welcher. Piraten geht es um die Sache.
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Jedoch werden die Piraten NIEMALS verfassungsfeindliche Organisationen unterstützen.
-
Kommentar Link
Montag, den 14. September 2009 um 20:11 Uhr
veröffentlicht von
Robert Scholz
Lieber Andreas, ich hatte keinerlei Interesse, die Piratenpartei dem "rechten Spektrum" zuzuschlagen. Wenn Sie sich unsere Berichterstattung über die "Junge Freiheit" ansehen, werden Sie hoffentlich bemerken, dass wir diese Zeitung nicht unter einen pauschlaierenden Extremismusverdacht stellen. Und dies gilt insbesondere auch für die Interviewpartner der JF. Sozialdemokraten wie Egon Bahr gaben ihr ebenso ein Interview wie Christdemokraten (jüngst Gauweiler) oder aber auch Michel Friedmann. Warum sie nun eine Suggestion ausmachen, die Piraten seien empfänglich für "rechtes" Wählerpotential empfänglich, ist mir unverständlich. Mich hat allein die argumentative Stützung der These, dass das vermeintliche Vorgehen gegen Knderpornographie nur der Einstieg hin zu politischer Zensur interessiert. Daran dürfte kein Demokrat – gleich welcher Coleur – ein Interesse haben. Beste Grüße Robert
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
-
Kommentar Link
Montag, den 14. September 2009 um 20:29 Uhr
veröffentlicht von Dogge
Andreas hat hierzu übrigens bereits ein Statement in seinem Blog veröffentlicht.
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
http://andipopp.wordpress.com/2009/09/14/zum-interview-mit-der-jungen-freiheit/
-
Kommentar Link
Dienstag, den 15. September 2009 um 09:47 Uhr
veröffentlicht von
Adrian Lang
@Martin K:
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Was für ein Blödsinn; die Piratenpartei wird sich durchaus im Rechts-Links-Schema verorten müssen. So etwas wie eine „beste Lösung“ gibt es nicht, auch wenn ihr Rationalisten naiv genug seid das zu denken. Schau dir mal http://fxneumann.de/2009/09/08/piraten-gender-und-pragmatik/ für eine sehr saubere Darstellung. Desweiteren unterstützt die Piratenpartei auch verfassungsfeindliche Organisationen – am Samstag und am Montag nahm sie explizit an Veranstaltungen mit ARAB und ALB teil.
-
Kommentar Link
Dienstag, den 15. September 2009 um 12:06 Uhr
veröffentlicht von Alexander Geisler
Die Schilderung von Herrn Popp wie das Interview abgelaufen sein soll, erscheint mir - mal angeonmmen sie stimmt so - durchaus illustrativ für die fragwürdige journalistische Vorgehensweise der JF. Hammerhart finde ich es aber, sich zu politisch umstrittenen Fragen primär über Wikipedia zu informieren. Der Edit-War um die JF nimmt ja schon einigen Raum ein und verdeutlicht, dass hier eine interessengelkeitete Auseinandersetzung tobt. Für eine Partei, die sich Internet-Kompetenz auf die Fahnen geschrieben hat und ideologiefrei nach "besten Lösungen" suchen will (was im Ansatz das Wesen von Politik fundamental verkennt - vgl. den Link bei Adrian Lang), ist so viel Oberflächlichkeit kein besonders ruhmreiches Zeugnis.
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
-
Kommentar Link
Donnerstag, den 17. September 2009 um 00:20 Uhr
veröffentlicht von doerte
Andreas Popp hat sich vor seinem Interview mit der JF auf wikipedia über dieses Blatt informiert??
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Wo lebt dieser Mann? Was will diese Partei?
-
Kommentar Link
Montag, den 21. September 2009 um 06:34 Uhr
veröffentlicht von Maddes
@Adrian Lang: "Desweiteren unterstützt die Piratenpartei auch verfassungsfeindliche Organisationen – am Samstag und am Montag nahm sie explizit an Veranstaltungen mit ARAB und ALB teil."
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Das istz ja wohl arg daneben - die Piraten waren auf veranstaltungen, auf denen (neben fdp, grünen, spd, Linke) auch ARAB und ALB teilnahmen. Wie, bitte schön, willst du daraus ableiten, die Piraten würden sämtliche dieser anderen Gruppierungen UNTERSTÜTZEN ?
Ziemlich gaga, würd ich mal sagen.
Kommentar hinzufügen
Nachrichten
-
Mecklenburg-Vorpommern wehrt sich gegen Neonazis in Kitas Mit dem vom Schweriner Sozialministerium auf den Weg...
-
Verwaltungsgericht kippt Entscheidung des Landkreises: NPD darf in Anklam demonstrieren Es zeichnete sich bereits ab: Das Greifswalder Verwaltungsgericht...
-
Zentrum gegen Vertreibungen: Zentralrat der Juden und SPD mit Kritik am Stiftungsrat Heftige Kritik gibt es vom Zentralrat der Juden und...
-
Droht Kampagne „Laut gegen Nazis“ das Aus? Nach einem Bericht des "Hamburger Abendblatt" droht...
-
Vergasung von 430.000 Juden? Anklage gegen weiteren mutmaßlichen NS-Verbrecher erhoben Nachdem die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen...
- 1
- 2
- 3
- 4
- 5
Nach Bundesländern
|
Letzte Kommentare
-
Ich begreife es nicht: warum "adelt" man diese Holzköpfe von…
Verfasst von cittisurfer
17 Hours Ago
-
Worin ist denn "die Demokratie" in dieser Szenerie denn nun…
Verfasst von Xberg
21 Hours Ago
-
@ Verbeamteter Jurist: Ihre Hinweise in allen Ehren: Die Tatsache,…
Verfasst von
Mathias Brodkorb
21 Hours Ago
-
Lieber Herr Brotkorb,
sie sollten bei der Philosophie bleiben und…
Verfasst von verbeamteter Jurist
2010-07-29 16:35:41
-
Könnten nicht die SPD und/oder die Grünen eine Gegenveranstaltung anmelden…
Verfasst von Birgit Kramp
2010-07-29 14:26:21
-
@ein Eigentor für die Demokratie
Mir ist nach Lesen des…
Verfasst von WP
2010-07-29 14:13:32
-
Neues aus der Anstalt: http://www.mvregio.de/show/422645.html
Für die Herren "Journalisten" dieses…
Verfasst von Jürgen
2010-07-29 14:00:12
-
Schöne Vorstellung von Zensur, schmutziger Wäsche und...
Um was gehts…
Verfasst von jens
2010-07-29 10:08:43
-
Sehr geehrter Frau Dr. Bachmann, zum Thema wollte ich eigentlich…
Verfasst von Birgit Kramp
2010-07-29 09:55:41
-
Frau Dr. Bachmann, es ehrt Sie und ich erkenne mit…
Verfasst von
Robert Scholz
2010-07-29 08:19:35
Medientipp
- Mecklenburg-Vorpommern wehrt sich gegen Neonazis in Kitas Donnerstag, den 29. Juli 2010 um 14:40 Uhr
Beliebteste Artikel
- Ein Eigentor für die Demokratie: NPD darf durch Anklam marschieren (Kommentar) Gelesen: 2070 mal
- Neonazis hacken Internetseiten von KZ-Gedenkstätten Gelesen: 2002 mal
- „Zigeuner“-Rede möglicherweise mit Nachspiel für Müller (NPD) – Zentralrat reicht Klage ein Gelesen: 1954 mal
- „Qualitative Talfahrt“ – Parteiinterne Kritik an NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ Gelesen: 1874 mal
- Heinars Ahnenforschung enthüllt: Hühnerzüchter Himmler und die NS-„Storchbeinpropaganda“ Gelesen: 1860 mal




