Propagandaminister in spe Molau (NPD): Gegen die „Verschwulung der Gesellschaft“

molaupodcastMit wöchentlichen Podcasts will der NPD-Bundesvorsitzkandidat Andreas Molau erreichen, den Parteivorsitz zu erklimmen und die freien Kräften hinter sich zu bekommen. In den ersten beiden Videos dieser Reihe wendet sich Molau an die Jugend und schlägt dabei einen radikaleren Ton an, als zuweilen von ihm gewohnt. Er kokettiert mit der Holocaustleugnung und lobt die Haltung der katholischen Kirche, die sich gegen die „Verschwulung der Gesellschaft“ richte.

Der erste Podcast, der Anfang Februar exklusiv beim Molau-freundlichen, rechtsradikalen Internetportal „Patriotisches Forum Süddeutschland“ erschien, arbeitet sich an der Aufhebung der Exkommunizierung des Holocaustleugners Bischof Richard Williamson ab. Die Aufhebung der Exkommunizierung bezeichnet Molau als ein „Heim ins Reich“-Holen traditionalistischer Gläubiger. Desweiteren lobt der Pressesprecher der NPD-Fraktion im Schweriner Landtag die katholische Kirche für ihre Position, „die Verschwulung der Gesellschaft“ und „den Massenmord an ungeborenem Leben“ nicht anzuerkennen. Der Papst folge damit der Tradition seines Glaubens.

Das tue der britische Bischof „Williams [sic!]“ auch. Der ließ nämlich verlauten, so Molau, er glaube nicht, an die Existenz von Gaskammern im Dritten Reich. „Muss man daran glauben fragt man sich unwillkürlich“, so Molau und beantwortet die Frage mit Verweis auf das Strafgesetzbuch mit „Man muss.“ Molau kritisiert dies und erklärt, dass es sich keinem „vernünftigen Menschen“ erschließe, „warum die Interpretation historischer Ereignisse überhaupt per Strafgesetz geregelt wird.“ Auch die Haltung der Bundeskanzlerin, „eine alte FDJ-Propagandagenossin der DDR“, die dem Papst Anweisungen gegeben hätte, „Williams [sic!]“ wieder zu exkommunizieren, trifft nicht auf das Wohlwollen des Wahlkämpfers Molau.

Molau kündigte vor wenigen Wochen an, das Internet mehr nutzen zu wollen, da Informationen die Anhänger so erreichen könnten, ohne von den „Systemmedien“ gefiltert zu werden. Dies brachte ihm den Ruf eines "Propagandaministers in spe" ein. Laut dem „Patriotischen Forum Süddeutschland“, das Meldungen von Molau häufig exklusiv erstveröffentlicht, will der NPD-Politiker ansetzen, „ den derzeitigen Vorsitzenden Udo Voigt zu stürzen, und seiner rechtspopulistischen Partei einen persönlichen Stempel aufzudrücken.“ Scheinbar nutzt der NPD-Fraktionssprecher des Schweriner Landtags hierfür nicht nur das selbe Medium wie sein Chef, Udo Pastörs, der sich am Freitag ebenfalls mit einem Video zur Frage des NPD-Vorsitzes positioniert, sondern auch die gleiche Technik. In beiden Videos wird ein Bluescreen verwendet. Während bei Pastörs eine Winterlandschaft zu sehen war, sieht man in Molaus erstem Podcast Porträts des Papstes und Michel Friedmans.

Im zweiten Podcast, das Ende vergangener Woche erschien, sieht man ein Plakat der Jungen Nationaldemokraten, des Jugendverbandes der NPD, mit der Parole „jung, frech, radikal“. Passend zur Botschaft - denn im zweiten Podcast betont Molau, ebenfalls recht steif vom Teleprompter ablesend, wie wichtig es sei, auf die Jugend zu setzen: „Die Jugend ist Verbündete einer nationalen Politik, die gegen eine Konsumgesellschaft kämpft.“ Molau forderte, dass die „Jungen Nationaldemokraten in der Zukunft viel stärker von der Gesamtpartei unterstützt werden“ muss – „ideell wie materiell“.

Molau war früher selbst aktives Mitglied bei den Jungen Nationaldemokraten (JN). Ein nicht unbedeutender Teil früherer JN-Aktivisten ist heute in Führungsämtern tätig. Der Fraktionsvorsitzende im sächsischen Landtag und frühere Vorsitzende der Jungen Nationaldemokraten, Holger Apfel, schrieb 1999, dass eine Erneuerung der Programmatik im Wesentlichen durch die JN erfolgte. Teil dieser Programmatik war auch die Aufnahme ethnopluralistischer Argumentationsmuster, für die Molau mit seiner Kandidatur für den Bundesvorsitz stehen will. Insofern kann der Appell auch als Maßnahme verstanden werden, die ihm helfen soll, zu einer bislang kaum vorhandenen Hausmacht zu kommen.



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