Nachdem Neonazi Thomas Wullf vor wenigen Tagen die "Volksfront" mit der NPD für beendet erklärt hatte, meldeten sich nun auch Christian Worch und Andreas Molau (NPD) zu Wort. Worch und Molau, die u.a. im Landtagswahlkampf 2008 von Niedersachsen miteinander kooperiert hatten, können Wulffs Kritik dabei kaum etwas abgewinnen.
Worchs umfangreiche, nun veröffentlichte Erklärung lässt sich mit zwei Kernargumenten zusammen fassen:
1. Freie Kräfte und die NPD als Partei haben unterschiedliche Interessen. Wenn sie also kooperieren, ist es erwartbar und verständlich, wenn beide ihren jeweiligen Vorteil suchen und ggf. voneinander enttäuscht sind. Wenn Wulff nun also die nie konkret vereinbarte "Volksfront" für beendet erklärt, so liegt dies vor allem an seinen eigenen, unrealistischen Erwartungen: "Vielleicht gab es von beiden Seiten her Hintergedanken. Das ist oftmals so, wenn man Verträge oder Bündnisse schließt. Jeder hat spezielle Erwartungen, die auf seine Bedürfnisse zugeschnitten sind, und man bekommt nicht immer im Verhältnis eins zu eins das, was man sich von so einem Vertrag oder Bündnis verspricht.(...) Man kann zwar hoffen, daß es im einzelnen Fall anders kommt, aber man muß leider auch mit dem Gegenteil rechnen." Folglich sei es entscheidend, Bündnisse konkret zu gestalten und jeweils Rechte und Pflichten der Vertragspartner abzusichern, dann entständen auch keine Enttäuschungen - offenbar so, wie Worch und Molau es im Landtagswahlkampf getan haben.
2. Letztlich bleibt Wulffs Kritik inkonsequent. Er beende zwar die "Volksfront", trete selbst jedoch nicht aus der NPD aus und rate auch seinen Mitstreitern, vorerst in der Partei zu bleiben: "Nix Ganzes, nix Halbes. Eher Ausdruck eines allgemeinen Unmutes als eine wirkliche politische Entscheidung."
Mit sichtlichem Genuss weist Worch in seinem Diskussionsbeitrag außerdem darauf hin, dass Thomas Wulff aus dem NPD-Bundesvorstand abgewählt und als Referent des NPD-Bundesvorsitzenden abgesetzt wurde. "Ob das nun eine politische Entscheidung war, um die weniger radikalen Kräfte innerhalb der NPD zu besänftigen, oder ob Thomas Wulff auf diesem Posten nicht die Erwartungen seines Dienstherrn erfüllen konnte, mag dahingestellt bleiben. Soweit ich die Aufgabe des persönlichen Referenten eines Parteiführers verstanden habe, muß man dazu wohl in erster Linie Bürohengst sein; und das ist Thomas Wulff bei all seinen sonstigen Verdiensten und Fähigkeiten eher nicht.", sucht Worch seinen Hinweis eher kosmetisch zu entschärfen.
Auffällig kurz nach Worchs Erklärung meldete sich auch Andreas Molau (NPD) zu Wort, der nunmehr Bundesvorsitzender der rechtsextremen Partei werden will. Er stimmte Worch in seinem 14-Punktepapier ausdrücklich zu, dass es bei der Kooperation zwischen NPD und Freien Kräften auf "konkrete, Projekt bezogene Zusammenarbeit" ankäme. Allerdings erteilte Molau gewaltbereiten und allzu radikalen Kräften ebenso eine deutliche Absage: "Voraussetzung für die NPD bei einer organisatorischen Zusammenarbeit muß der absolute Verzicht auf Gewalt sein, die Anerkennung des Mehrparteienprinzips und das Primat des Politischen. Wir wollen Hier und Jetzt die Dinge verändern, politische Lösungen für unser Volk suchen und nicht Utopien nachjagen." Es ist dies der Spagat zwischen dem erneut angesprochenen Versuch, sowohl konservative Kreise als auch radikale Kräfte an die NPD zu binden.
In dem wenig anspruchsvollen Text, der offenbar eher den durch Worch verursachten Schwung gegen Wulff aufgreifen, als einen substanziellen Diskussionsbeitrag liefern sollte, bemüht sich Molau auch in knapper Form um eine inhaltliche Bestimmung seines Standpunktes. Für die moderne Rechte seien demnach die Begriffe Identität, Tradition und Souveränität von Bedeutung. Aus diesen Elementen könne ein "politisches Grundprogramm" formuliert werden. Demnach solle das Erbe des eigenen Kulturkreises in einer Vielfalt der Völker bewahrt werden. "Die Achtung des Lebensrechts aller Völker ist Grundbestandteil eines modernen Ethnopluralismus, der sich gegen die große Egalisierung des Liberalismus stellt.", so Molau. Zu dieser "Vielfalt der Völker" gehört es freilich nach NPD-Manier auch, "Kulturfremde" aus Deutschland auszuweisen. Die NPD nennt das "Ausländerrückführung".
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Written on Dienstag, 09. Februar 2010 um 09:55
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