Bunt statt Braun – Innenministerium MV gibt "Comic gegen Rechts" heraus

comic-caffierMit einem Comic will das Innenministerium „junge Leute“ erreichen und sie auf die Gefahren rechtsextremistischer Gesinnung aufmerksam machen. Der knallbunte Schuss könnte für CDU-Innenminister Lorenz Caffier allerdings auch nach hinten losgehen.

In „jugendgemäßer Form“ soll der Comic mit dem Titel „Weiß ist keine Farbe“ an den Schulen des Landes bei der Aufklärungsarbeit über Rechtsextremismus helfen. Er wird in den nächsten Tagen ausgeliefert und soll offenbar auch im Unterricht Verwendung finden. So heißt es in der Pressemitteilung des Ministeriums: „Das Heft kann z.B. in den Fächern Deutsch, Religion und Philosophie, aber auch in Kunst und Gestaltung an den allgemeinbildenden Schulen genutzt werden.“

Der Inhalt des Comics, der laut Pressemitteilung des Innenministeriums in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium MV und einer Schweriner Schule erarbeitet wurde, ist schnell erzählt: Der Jugendliche „Stefan“, den seine Clique nur „Stan“ nennt, ist verliebt in Lena, die wiederum mit dem Vietnamesen „Tu-An“ zusammen ist, der aber eigentlich auch sein Freund ist. Aufgrund dieser nicht erwiderten Liebe wendet sich „Stan“ von seiner Clique ab, nennt sich von nun an nur noch „Stefan“ und findet Kontakt zur „rechten Gruppierung“ „Weißer Sturm“.

comicDiese versorgt ihn mit Propagandamaterial, lädt ihn zum Bier und Zeltlager ein, verlangt, dass er sich mit „Naziklamotten“ eindeckt und ein Aufnahmeritual ablegt: Als Mutprobe soll er die CD „Deutsche Lieder für das deutsche Volk“, die er zuvor schon auf dem Schulhof verteilt hat, in das Computerkabinett der Schule schmuggeln und dort abspielen. Der Lehrer erwischt ihn, er bekommt einen Verweis, seine Kameraden halten ihn daraufhin für einen Versager. Der Anführer gibt ihm allerdings eine zweite Chance: Nun soll er den Thai-Imbiss der Eltern seines bisherigen Freundes Tu-An mit der Parole „Ausländer raus“ beschmieren. Bei der Tat überkommen Stefan Gewissensbisse, die schließlich in die Überlegung münden: „Nee. Gut, dass er (gemeint ist sein Freund Tu-An – Anm. ENDSTATION RECHTS.) hier ist, er ist doch hier geboren und selbst wenn nicht...“. Stefan erkennt daraufhin, wer seine Freunde sind und der Comic hat sein Happy-End.

Mit dem Comic will Innenminister Lorenz Caffier (CDU) „junge Leute“ besser erreichen, da sie „auf eine ihrer Altersgruppe entsprechenden Art und Weise angesprochen werden“. Des Weiteren solle der Comic helfen, „auf die Gefahren einer rechtsextremistischen Gesinnung aufmerksam zu machen.“

comic-gegen-rechts1-s1So präzise der Innenminister das Problem hier in seinem kurzen O-Ton benennt, so undifferenziert tut es der Comic. Statt „rechtsextremistisch“ heißt es dort „rechte Gruppierung“. Eine Bezeichnung, die wohl auch auf die bürgerliche CDU zutrifft. Dass nun ausgerechnet die CDU-Politiker Tesch und Caffier maßgeblich an der Publikation des Verfassungsschutzes, der es eigentlich besser wissen müsste, beteiligt waren, entbehrt daher nicht einer gewissen Ironie. Sie sägen damit quasi an dem Ast, auf dem sie sitzen.

Wer sich selbst ein Bild machen will: Hier ist der Comic als pdf-Datei zum Download erhältlich.


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