„Blaue Narzisse“ fürchtet Übernahme des Vereins „Gedächtnisstätte“ durch „tatsächliche Rechtsextremisten“

Angeblich bemühte sich der Verein „Gedächtnisstätte e.V“ in der Vergangenheit politisch neutral zu sein. Nachdem sich ENDSTATION RECHTS. noch vor kurzem vor einem Amtsgericht mit besagtem Verein auseinandersetzen musste, wird dieser nun auch von Rechts unter Beschuss genommen: Die Redaktion der „Blauen Narzisse“ warnte vor kurzem noch vor der Übernahme durch „tatsächliche Rechtsextremisten“.

Nach einem ursprünglich auf "Blaue Narzisse" veröffentlichen Artikel [dieser liegt ENDSTATION RECHTS. vor] erklärte der bisherige wissenschaftliche Leiter der Gedächtnisstätte, Peter Hild, dass es immer oberstes Gebot gewesen sei, sich einer Vereinnahmung durch Parteien zu entziehen. Das Ziel des „Verein Gedächtnisstätte e.V.“ ist gemäß § 1 seiner Satzung, „eine würdige Gedächtnisstätte für die Opfer des zweiten Weltkrieges durch Bomben, Verschleppung, Vertreibung und in Gefangenenlagern“ einzurichten. Dazu soll ein „angemessenes Denkmal mit angeschlossener Dokumentation“ errichtet werden.

Der Militärhistoriker Hild sei aufgrund klammer Kassen nicht länger als Vollzeitkraft zu beschäftigen, jedoch wäre er auch bereit gewesen, seine Arbeit in Borna ehrenamtlich fortzusetzen. Die Verantwortlichen des Vereins „Gedächtnisstätte e.V.“ betonten stets, prinzipiell für alle Besucher offen zu sein. „Wir ‚distanzieren’ uns von niemandem!“, äußerte unlängst der Vereinsvorsitzende Wolfram Schiedewitz in einem Interview mit der NPD-nahen Zeitschrift „Hier&Jetzt“. Gemeint waren ausdrücklich auch Mitglieder der NPD.

Doch diese „offene Flanke“ wurde nun nach Angaben der „Blauen Narzisse“ ausgenutzt. „Als klar war, dass er [Peter Hild, Anmerkung ENDSTATION RECHTS.] sein Büro wird räumen müssen, vergingen sich NPD-nahe Leute ohne vorherige Absprache an seinen im Büro abgelegten Privatsachen. Darunter waren auch Bücher, die kurzerhand gegen eine Spende im Vereinsraum angeboten wurden, als seien sie Eigentum des Vereins. Dokumente wurden durchwühlt, teilweise entwendet und der Rest wahllos in Kisten verpackt.“, hieß es in dem ursprünglichen Artikel. Ihr Vorgehen hätten die betreffenden Personen damit gerechtfertigt, dass Privatsachen in einem geschäftlichen Büro nichts zu suchen hätten.

Jedoch musste Peter Hild angeblich nicht nur die Schmach der Veräußerung seiner Privatsachen hinnehmen, sondern auch die Erkenntnis, einfach ausgetauscht worden zu seien. Am 20. September 2008 habe Hild an einer angekündigten Vortragsveranstaltung teilnehmen und wie üblich seine Gebäudeführung und „Gedenkfeier am unvollendeten Denkmal“ abhalten wollen. Die „selbsternannte neue Führungsriege [teilte ihm] zehn Minuten vor der Führung mit, dass [diese] jemand anderes [...] übernehmen würde“ und auch, dass er die Gedenkfeier nicht abhalten werde, behauptete die „Blaue Narzisse“. Hilds Aufgaben seien angeblich durch einen NPD-Kreisrat sowie den Referenten des NPD-Landesvorsitzenden übernommen worden.

Während sich Hild politisch neutral gab, habe die Eigentümerin des Gebäudes, Gisela Limmer, die Witwe des Architekten der Gedächtnisstätte, „derweil wenig Berührungsängste zu den tatsächlichen Rechtsextremisten“, schilderte ursprünglich die „Blaue Narzisse“. Demnach habe sie den NPD-Parteivorsitzenden Udo Voigt, die Fraktionsvorsitzenden aus den Landtagen in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern, Holger Apfel und Udo Pastörs, „sowie rechtskräftig verurteilte 'Holocaustleugner' über Kontakte zu Landtagsmitarbeitern der sächsischen NPD-Fraktion wiederholt“ eingeladen - eine Behauptung, die sich in dem nunmehr korrigierten Artikel indes nicht mehr findet.

Durch den Einfall der NPD in den Verein hätten Gedächtnisstättengegner „nun ihre Unterfütterung erhalten“. Die „Blaue Narzisse“ sieht den Untergang des Vereins gekommen: „Es wird immer wahrscheinlicher, dass es die NPD schafft, den Verein Gedächtnisstätte e.V. mit dem unvollendeten Bornaer Denkmal für zwölf Millionen deutsche, wehr- und waffenlos Gefallene in eine Totgeburt zu verwandeln.“ Laut „Blaue Narzisse“ sind Referenten für kommende Vortragsveranstaltungen bereits abgesprungen und auch einige Leihgeber hätten ihre Ausstellungsstücke bereits zurückverlangt.

Die von "Blaue Narzisse" korrigierte Berichterstattung basiert offenbar auch auf direkten Kontakten zu Gisela Limmer. Diese sowie ihr Anwalt hätten demnach den "Anschuldigungen von Hild" widersprochen und die Beendigung der Zusammenarbeit "auf zum Teil ins Private hineingehende" Gründe geschoben. Weniger Auskunftsfreudig erweist sich Limmer jedoch nach Angaben von "Blaue Narzisse", wenn sie auf die NPD angesprochen wird: "Gisela Limmer, Eigentümerin des Gebäudes der Gedächtnisstätte, wollte gegenüber BlaueNarzisse.de 'keine Auskunft' über eine etwaige Einflußnahme der NPD auf den Verein geben.", heißt es auf der rechtskonservativen Internetseite.

Kurios ist die Geschichte vor dem Hintergrund, dass sich ENDSTATION RECHTS. ausgerechnet deshalb mit dem Verein in einer rechtlichen Auseinandersetzung befand, weil er uns, wie der in der Vergangenheit in der „Jungen Freiheit“ publizistisch äußerst aktive Anwalt der Gegenseite in der Klageschrift ausführte, vorwarf, es sei „aufs höchste rufschädigend gewesen“, dass wir den Verein mit einem Holocaustleugner in Verbindung gebracht hätten. Nicht, dass nun ausgerechnet derselbe ehemalige JF-Autor und Rechtsanwalt den jung-konservativen Nachwuchs aus dem Umfeld der „Jungen Freiheit“ im Auftrag des Vereins ebenfalls behelligt...

 

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