Boizenburger Grundschule kauft T-Shirts bei Textilversand eines Rechtsextremisten

thomas-wulffVon der Boizenburger Grundschule Ludwig Reinhard sind 28 T-Shirts, die das Logo und den Schriftzug der Schule zieren, für Sportfeste produziert worden. Das ist nichts Ungewöhnliches und geschieht alltäglich an vielen Schulen in Deutschland.

Ungewöhnlich dürfte hingegen sein, dass die T-Shirts auf Initiative eines in der Region bekannten Neonazis über einen rechtsextremen Textilversand aus Brandenburg gedruckt und geliefert wurden.

Eltern nehmen Angebot von Thomas "Steiner" Wulff an

Laut Recherchen von ENDSTATION RECHTS. wollte der Elternrat einer Klassenstufe der Ludwig Reinhard-Grundschule T-Shirts für die Kinder mit Logo und Schriftzug der Schule herstellen lassen, um sie dann den Schülern zur Verfügung zu stellen. In diesem Elternrat sitzt offenbar auch der bekannte Neonazi und Aktivist der hiesigen Kameradschaftsszene, Thomas "Steiner" Wulff.
Wulff gab den restlichen Eltern zu verstehen, dass er T-Shirts zu besonders günstigen Konditionen organisieren könne und brachte den Textilversand eines Rechtsextremisten aus Brandenburg ins Spiel, aber natürlich ohne die Eltern über den Hintergrund des Anbieters zu informieren. Offenbar regte sich unter den übrigen Elternvertretern kein Protest gegen den Vorschlag von Wulff. Dass niemand wusste, wes Geistes Kind Herr Wulff ist, wird man kaum behaupten können, gehört er doch nicht nur zu den bekanntesten Neonazis des Landes, sondern vor allem auch der Region selbst.
Schon Ende der 1990iger Jahre berichtete die Presse darüber, dass Thomas Wulff gemeinsam mit dem Neonazi Michael Grewe das Gutshaus Amholz in der Gemeinde Teldau, wenige Kilometer von Boizenburg entfernt, gekauft hatte. Oder dass es "Steiner" Wulff zunächst schaffte, sich im Herbst 2005 in den Kreiselternrat Ludwigslust wählen zu lassen, obwohl er satzungstechnisch gar kein Delegierter war, weshalb seine Wahl später annulliert wurde. Und schließlich kandidierte er im Jahr 2006 als Mitglied der NPD für den Landtag und ist seit einiger Zeit sogar der persönliche Referent des NPD-Bundesvorsitzenden Udo Voigt.

Und die Moral von der "braunen" Geschichte?

Die T-Shirts wurden beim Textilversand des bekannten Brandenburger Neonazis Gordon Reinholz (www.textildruck-eberswalde.de) gedruckt und an die Schule in Boizenburg geliefert. Die Schule hat die Rechnung bezahlt.
Mit dem Finger auf die Grundschule und die Stadt Boizenburg zu zeigen, wäre nun denkbar einfach – zu einfach und unangemessen obendrein. Denn sowohl die Schulleiterin als auch der Bürgermeister gehen offen und somit vorbildlich mit dem Vorfall um. Wir sprachen daher mit dem Boizenburger Bürgermeister über die Konsequenzen aus der "T-Shirt-Affäre". Harald Jäschke betonte im Gespräch mit ENDSTATION RECHTS., dass die Eltern zwar "unsensibel" gehandelt hätten, es jetzt aber vor allem darauf ankomme, aus dem Vorfall zu lernen und andere vor denselben Fehlern zu bewahren: "Über unser bestehendes Netzwerk im Landkreis werde ich dafür sorgen, dass alle Schulen für diese Problematik sensibilisiert werden. Das darf sich aus meiner Sicht nicht wiederholen."


Es gibt im ganzen Land rechte Tendenzen. Interview mit dem Boizenburger Bürgermeister Harald Jäschke (parteilos)

harald-jaeschkeENDSTATION RECHTS.: Herr Jäschke, die Ludwig Reinhard-Schule in Boizenburg hat T-Shirts mit dem Logo und dem Schriftzug der Schule über den bekannten Neonazi Thomas "Steiner" Wulff herstellen lassen. Wie konnte so etwas passieren?

Harald Jäschke: Die Schulen unserer Stadt bewirtschaften ihren Haushalt selbst. Als es um die Anschaffung der T-Shirts ging, hat Herr Wulff den Elternvertretern der Schule seine Hilfe angeboten, weil er angab, eine günstige Quelle zu haben. Leider haben sich die Eltern darauf eingelassen.

ENDSTATION RECHTS.: Auch die Herstellung und Lieferung der T-Shirts wurde von einem bekannten Rechtsextremisten, nämlich Gordon Reinholz aus Brandenburg, übernommen. War das nicht zu erwarten?

Harald Jäschke: Ja, es wurde m. E. recht unsensibel mit dem Thema umgegangen. In Gesprächen mit der Schulleitung habe ich eindringlich darauf hingewiesen, sich künftig nicht auf Geschäfte mit Herrn Wulff einzulassen. Über unser bestehendes Netzwerk im Landkreis werde ich außerdem dafür sorgen, dass alle Schulen für diese Problematik sensibilisiert werden. Das darf sich aus meiner Sicht nicht wiederholen.

ENDSTATION RECHTS.: Herr Jäschke, was unsere Leser wahrscheinlich noch interessiert: Gibt es in Boizenburg und Umgebung rechtsextreme Tendenzen und wenn ja, wie reagiert ihre Stadt darauf?

Harald Jäschke: Es gibt hier, wie im ganzen Land, rechte Tendenzen. Bei der letzten Landtagswahl lag unsere Stadt knapp unter dem Landesdurchschnitt. Ein bestimmtes Wählerpotenzial existiert also. Wir müssen und werden versuchen, die Bevölkerung durch positive Aktionen von der Wichtigkeit und Richtigkeit einer demokratisch strukturierten Gesellschaft im zusammenwachsenden Europa zu überzeugen, um so den Rechten den Nährboden zu entziehen. Dazu brauchen wir mehr bürgerschaftliches Engagement, aber auch bundes- und landespolitische Unterstützung  nicht nur mit Worten und Gesetzen im ganzen Land, in der ganzen Republik.

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