Mit „Metapedia“ wollen rechte Kreise ihr eigenes Online-Nachschlagewerk aufbauen. Das sieht dem Vorbild Wikipedia verblüffend ähnlich, nur dass auf den Seiten kein allgemeingültiges Wissen zusammengetragen, sondern unter dem Anstrich der Information rechte Ideologie verbreitet wird.
„Metapedia – Die alternative Enzyklopädie“ lautet der Slogan des rechten Wissensportals im Internet. Das Online-Nachschlagewerk richte sich an die, die „eben nicht für Multikulti und Globalisierung“ stehen, wie auf der Website zu lesen ist. Die Macher der deutschen Version hätten Metapedia „dem pro-europäischen Kulturkampf gewidmet“, heißt es weiter. Die Seite sei „Bestandteil eines Europäischen Netzwerkes.“ Metapedia existiert in einer Vielzahl von nationalen Versionen.
Der Name ist nicht zufällig gewählt. Die Vorsilbe „Meta“ zieht die Verbindung zu „Metapolitik“. Gemeint ist damit, dass die Eroberung der Gesellschaft vor der Politik beginnt, nämlich durch die Erlangung der intellektuellen Meinungsführerschaft. Dieser Strategie ist offenkundig auch „Metapedia“ verpflichtet. Die Begründer dieses subtilen Politikansatzes sind in der „Neuen Rechten“ zu suchen. Vertreten wird von ihnen unter anderem ein so genannter „Ethnopluralismus“, eine Art kulturelles Reinheitsgebot. Die Gesellschaften und ihre kulturellen Eigenheiten müssten vor „Überfremdung“ geschützt und das Gemeinschaftsbewusstsein gestärkt werden, so die Ideologie.
Alle Metapedia-Seiten liegen auf einem Server in Schweden und werden betrieben von der rechtsextremen NFSE media AB. Deren Hauptanteilseigner und Geldgeber ist Lennart Berg. Anders Lagerström organisiert die Arbeit des rechten Medienunternehmens. Über den „Nordisk förlaget“ vertreibt Lagerström auch noch Bücher, CDs et cetera für die rechtsextreme Szene. Die meisten Autoren kommen angeblich aus Schweden, Norwegen und Dänemark.
Wie bei seriösen Wissens-Communities kann auch bei Metapedia jeder Nutzer nicht nur Artikel aufrufen, sondern sie auch verändern oder neue Schlagwörter hinzufügen. So kopiert Metapedia Aussehen und Funktion von Wikipedia. Das ist nicht besonders schwer. Mit MediaWiki ist das Programm, mit dem das Original erstellt worden ist, kostenlos im Internet verfügbar. Jeder kann es downloaden und für seine Zwecke nutzen. Das haben die rechten Macher von Metapedia getan.
Werbung gemacht wird für Metapedia nicht nur auf der überregional bedeutenden Internetseite „altermedia“ (bei der es sich ebenfalls um ein multinationales Projekt handelt), sondern auch auf der Seite der „Stiftung Kontinent Europa“. Ein Teil der deutschen Autoren von Metapedia könnte daher auch aus diesem Umfeld stammen. Ähnlich wie die Online-Enzyklopädie ist die Stiftung an einer Vernetzung der Neuen Rechten in Europa interessiert. Stiftungsgründer ist der deutsche Patrick Brinkmann – mit der Wahlheimat Schweden. Unter anderem werden auf „Metapedia“ die philosophischen und politiktheoretischen Grundbegriffe der Neuen Rechten erklärt. Dabei sind in den Fußnoten immer wieder Querverweise auf die Webseiten des „Thule-Seminars“ und der „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GfP) zu finden. Nachdem das „Thule-Seminar“ in den letzten Jahren an Einfluss verloren hat, sucht dessen Kopf Pierre Krebs offenbar Anschluss bei der „Stiftung Kontinent Europa“. Außerdem steht er bei der GfP auf der Liste der Referenten. Deren Vorsitzender ist der NPD-Spitzenkandidat zur niedersächsischen Landtagswahl Andreas Molau, der seinerseits im Vorstand von „Kontinent Europa“ sitzt.
Aber auch die Jungen Nationaldemokraten (JN) Sachsen scheinen Metapedia für sich als Multiplikationsmedium entdeckt zu haben. So ist dem „Sachsentag“ ein Artikel gewidmet, einer „Großveranstaltung“, die die JN Sachsen am 4. August 2007 zum ersten Mal veranstaltet haben. Die Rechtsrockgruppen, die auf „Metapedia“ mit einem Eintrag bedacht werden, haben allesamt auf dem Sachsentag gespielt. Die Schülerzeitung der NPD-Sachsen „Perplex“ und die Theoriezeitschrift „Hier und Jetzt“ werden ebenso wie ihre Redakteure aktuell und ausführlich vorgestellt. Alles Zufall? Wohl kaum.
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Written on Dienstag, 09. Februar 2010 um 09:55






