Ersten Erkenntnissen der Polizei zufolge seien mehrere Vermummte in das Geschäft eingedrungen und hätten eine größere Menge Buttersäure in den Geschäftsräumen verteilt. Thorsten de Vries, einer der beiden Inhaber des „ECC“, sei von den Tätern verletzt und lt. Augenzeugenberichten wenig später in der Notaufnahme der Universitätsklinik behandelt worden. Dort habe de Vries lautstark bemängelt, er werde nicht korrekt behandelt und bedrohte daraufhin angeblich das Krankenhauspersonal. Erst nach Eintreffen der zur Hilfe gerufenen Polizei hätte sich de Vries wieder beruhigt.
Ein Großaufgebot von Polizei und Feuerwehr sowie der Rostocker Oberstaatsanwalt waren derweil am Naziladen im Einsatz. Nur Spezialkräfte der Feuerwehr konnten den Laden mit Atemschutzmasken und Schutzanzügen betreten, um die mit Buttersäure kontaminierten Gegenstände und nahezu sämtliche Kleidungsstücke zu bergen.
Gegenstände, die einmal mit der Säure in Kontakt gekommen sind, werden den Geruch nach Erbrochenem und ranziger Butter praktisch nicht mehr los. Inwieweit die Geschäftsräume des „ECC“ weiter genutzt werden können, ist daher derzeit nicht abschätzbar.
Obwohl sich der Anschlag innerhalb des Ladens ereignete, sind entsprechende Gerüche auch in erheblicher Entfernung vom Ladenlokal deutlich wahrnehmbar.
Zur Begutachtung und Abwicklung des Schadens befanden sich der NPD-Landtagsabgeordnete Birger Lüssow sowie dessen Mitarbeiter David Petereit vor Ort. Lüssow war vor einigen Wochen mit seinem Bürgerbüro in dasselbe Gebäude gezogen.
Zwischenzeitlich wird auf der mutmaßlich vom Stralsunder Neonazi Axel Möller betriebenen Internetseite de.altermedia.info über die Täter spekuliert: "Auch Matthias Brodkorb (SPD) und Betreiber der Internetseite Endstation-Rechts war kurz nach dem Überfall mit Photoapparat zur Stelle, was wohl kaum noch einen Zweifel daran lassen dürfte aus welcher Richtung der Überfall gekommen ist, und daß offenbar mehr als nur fünf Personen in der Organisation desselben involviert waren.", heißt es auf der Seite, deren Kommentarteil innerhalb weniger Stunden nur so vor Gewalt- und Eskalationsankündigungen strotzte.
Brodkorb hingegen weist diese Behauptung zurück: "Die Unterstellung, ich oder andere Mitarbeiter von ENDSTATION RECHTS., die ebenfalls vor Ort waren, steckten hinter dieser Sache, ist wohl für uns wie die wirklichen Täter gleichermaßen eine Beleidigung. Wir haben uns in der Vergangenheit nicht an Gewalttaten beteiligt und werden das auch weiterhin nicht tun. Allerdings werden wir auch in Zukunft zeitnah von Ereignissen vor Ort berichten, wenn wir per Telefon von Passanten informiert werden und uns zu dieser Zeit in der Nähe befinden. Das ist ja gerade der Sinn unseres Nachrichtenportals. Herr Prof. Methling von der Linksfraktion war übrigens nach Angaben der NPD sogar vor mir am Tatort. Aber der war es mit Sicherheit auch nicht.", so Brodkorb abschließend.
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Die Freiheit der Anderen – taz bricht Lanze für Broder, Kelek und Ates
Written on Dienstag, 09. Februar 2010 um 09:55
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